24.05.2018

Das Wort zum Freitag - Ketzertag 2


Zwei Wochen ist es nun her, dass wir am Ketzertag in Münster teilnahmen. Bruder Spaghettus berichtete ja schon unter erschwerten Bedingungen darüber, denn nach einem Blitzschlag waren wir mehr oder weniger vom Netz abgeschnitten.

Nun bleibt nicht mehr viel zu sagen. Die brandaktuelle Berichterstattung ist durch und ich hoffe, ihr habt alles verfolgen können. Einen Zeitungsbericht, der etwas unter gegangen ist, gibt es noch zu erwähnen und ein Video, das Münster Tube erst vor kurzem veröffentlicht hat.


Mir bleibt die schöne Erinnerung und die Dankbarkeit, was so ein kleiner Haufen Ketzer doch zu ermöglichen vermochte. Davon aber genug.

Heute möchte ich euch an meinen Erlebnissen mit den Katholiken teilhaben lassen, denn wie immer stürzten wir uns auch diesmal ins Getümmel, um Eindrücke vom Katholikentag zu gewinnen, der in diesem Jahr unter dem Motto „Suche Frieden“ stand.



Der aufgeschlossene Mitbürger


Ihn fanden wir am gut besuchten Info-Stand der Ketzer. Die Zustimmung der Passanten, die im Vorbeigehen anerkennende Worte fanden oder sich am Stand Informationsmaterial abholten und Zuspruch für unsere Aktion verlauten ließen, war erstaunlich.


Der diskussionsfreudige Katholik 


Ketzer Spaghettus lief mit unserem Banner auf den Dom zu. 
Immer wieder wurde er von Christen angesprochen und in Gespräche verwickelt. Besonders junge Christen zeigten sich aufgeschlossen. Aber wo viel Licht ist, ist auch Schatten und uns begegnete

Der Streit suchende Katholik

Scheinbar harmlos begann er mir mitzuteilen, dass er vermute, ich hätte ihn fotografiert. Er verlangte, dass ich diese Fotos löschen möge. Ich sah auf meinem Handy nach und fand nur ein Foto, auf dem er vielleicht zu sehen war. Bereitwillig zeigte ich es ihm und auch er war sich nicht sicher. Verwundert bemerkte ich, dass er enttäuscht darüber zu sein schien, sich nicht auf meinen Fotos wiederzufinden. Bald wurde es mir allerdings klar. Mit mir konnte er sich nicht anlegen, nun war Bruder Spaghettus dran, der sich gerade im Gespräch mit einer kleinen Gruppe junger Christen befand. Er fing sofort an, sich einzumischen und geschmacklose Beleidigungen auszusprechen. Dieser verirrte „Christ“ hatte wohl das Motto „ Suche Frieden“ mit dem Motto des Ketzertages „Suche Streit“ verwechselt und nicht verstanden, dass es uns Ketzern um Streitkultur und nicht Krawall ging. Aber moderne Piraten können mit Worten viel besser als mit Säbeln kämpfen und so zog der Krawallbruder bald geschlagen ab. Bierelujah!

Die niedliche Christin

Abends an einer Fußgängerampel glaubte ich meinen Ohren nicht trauen zu dürfen. Vor mir stand eine junge Frau, geschmückt mit Knicklichtern im Haar. Aus piepsiger Stimme drang ein zartes „Hallelujah“ an mein Ohr. Eine kleine Gruppe, die zu den auf „Grün“ Wartenden stieß, nahm das auf und stimmte ein. Fast hätte ich mit einem „Bierelujah“ geantwortet, aber im Gegensatz zu den Singenden wurde ich keiner Gehirnwäsche unterzogen und so genoss ich einfach den Moment, denn das kann man wohl nur an Kirchentagen erleben und das auch nicht immer.


Der fotogene Pirat


Unser wilde Haufen wächst ja bekanntlich immer mehr. So fanden sich Piraten von Bayern über den Ruhrpott bis Osnabrück an, um sich ins Getümmel zu stürzen. Wir trafen uns zufällig am Bierstand, sie schnappten unser Banner und zogen los, um Flyer zu verteilen und mit Ungläubigen ins Gespräch zu kommen. Sie hatten sichtlich Spaß und wurden am Ende mehr abgelichtet, als alles andere. So fängt es immer an. Erst finden die Christen Gefallen an stattlichen Piraten und dann am einzig wahren Glauben, dem Pastafaritum.


Ramen


PS. Wie ihr merkt, fehlen uns hier ein paar Bilder. Wer von euch noch welche hat, wir würden uns sehr freuen, wenn ihr die schickt: info@pastafari.eu

Ergänzung: Die ersten Bilder sind eingetroffen, siehe "Der fotogene Pirat".
Herzlichen Dank an Bruder Cannellonus!

18.05.2018

Das Wort zum Freitag - Ketzertag




Der Ketzertag ist tot, es lebe der Ketzertag!

Ein Fest der Säkularen inmitten der mit Steuergeldern tüchtig aufgeblasenen Feierlichkeiten, der größten Sekte der Welt. 


Im Gegensatz zum Katholikentag bekam der Ketzertag nicht einen müden Euro öffentliche Förderung. Trotzdem war es Daniela Wakonigg gelungen, ein anspruchsvolle kleine Veranstaltungsreihe zu organisieren. Der Zustrom war zu allen Veranstaltungen so groß, dass die Plätze nicht reichten. Schnell wurde ein Livestream eingerichtet. So konnten nicht nur die Besucher, die nicht mehr in den Veranstaltungssaal kamen, alles im großen Vorraum mitverfolgen, sondern auch die, die es nicht nach Münster geschafft hatten. Wir hatten die Ehre, den Abschlussgottesdienst zu halten. 


Zuvor waren wir aber schon tüchtig in der Stadt unterwegs. Mehrere Stunden hielten wir unser Banner inmitten der Ungläubigen hoch. Es gab richtig tolle Diskussionen, und einen Hardcorechristen, der uns beschimpfte, konnten wir gut als Beispiel christlicher Nächstenliebe vermarkten. 



Am Nachmittag ging es zum Bahnhof. Den hatte doch tatsächlich ein Bischof mit „geweiht“. 
Das konnte wir so nicht stehen lassen. In einer Prozession von rund 50 Leuten wedelten wir mit heiligem Nudelwasser die Flüche dieses Sektierers wieder weg. Das Monster war ganz augenscheinlich mit uns. Als der Sicherheitsdienst uns nicht in den Bahnhof lassen wollte, schenkte ES dem dann doch noch die Einsicht, was die Zeugen Jehovas dürfen, muss auch uns gewährt werden. 

Danach trafen wir uns mit anderen Pastafari, die bis aus Bayern nach Münster zur Messe gekommen waren. Während Elli S. Und ich uns erst mal im Hotelzimmer erholten, hielten die unser Banner unter den Ungläubigen hoch. Sie waren begeistert, wie oft sie fotografiert und angesprochen wurden. Flyer und Button wurden reichlich verteilt.

Dann war es so weit. Nach einem sehenswerten Vortrag „Das Fliegende Spaghettimonster – Religion oder Religionsparodie“ kamen wir auf die Bühne. 
Es war eine ergreifende Messe, was auf dem Video leider nicht so richtig rüber kommt. Leider gab es für den Livestream kein Raummikrofon das die tolle Atmosphäre wiedergeben konnte. Vor allem bei meinem „Gesang“ hätte das gute Dienste geleistet. Der war glücklicher Weise, im Saal als Einzelstimme nicht zu hören.

Es war ein ringsherum tolles Erlebnis, auch wenn wir am Ende des Tages mehr als müde waren. 
Dieser Ketzertag sollte unbedingt wiederholt werden. 

10.05.2018

Das Wort zum Freitag - Religiöse Zweifel



Als ich noch jung war, genoss ich die Gemeinschaft in streng gläubigen, wiedergeborenen, christlich evangelisch-lutherischen Gebetsvereinen. 

Ich schäme mich dafür heute nicht mehr so sehr - im Gegensatz zu meiner Vorliebe zur Kelly Family zur gleichen Zeit. Das war im Rückblick wirklich peinlich. Besonders der Tag, an dem ein guter Freund mit dem Banner „Paddy we want you“ durch die Heimatstadt zog. Aber darüber sollte ich an einer anderen Stelle schreiben.

Zumindest machte ich meine Erfahrungen mit sowas wie Sekten (auch hier wäre erneut ein Hinweis auf die Kelly Family angebracht). 
Das Erbaulichste in den Stunden der Gemeinschaft mit den Brüdern und Schwestern war der Lobpreis und natürlich das private Bekenntnis. 

Zurückblickend finde ich den folgenden Zusammenhang besonders erwähnenswert: Jeder Gläubige kennt ein bis fünftausend Geschichten über jemanden oder sich selbst, in denen es darum geht, dass man mit seinem vorigen Leben nicht klar kam, bis man dann endlich zum richtigen Glauben kam. 
So war es zum Beispiel mit dem Agnostiker, der immer zweifelte, bis er die Liebe Gottes erfuhr. Vielleicht war manchmal auch die Partnerwahl schuld an der Misere - allerdings verlief eine jede Story in etwa gleich:

„Ich zweifelte und suchte. Dann kam jemand daher und laberte mich voll. Ganz plötzlich merkte ich, dass dieser penetrante Trottel tatsächlich die Wahrheit sagte. Dann kam der große Moment und ganz plötzlich wurde ich Christ.“


Gefolgt wurde das Bekenntnis meist von einer Runde, in der man von seinen Zweifeln am momentanen Glauben sprach. So war man z.B. nicht immer stark genug, morgens seine Bibel zu ergreifen und darin zu lesen oder das Gebet fühlte sich manchmal so an, als würde man nur gegen die Decke reden.


Dass der eine Zweifel ganz großartig ist, da er zum richtigen Glauben führt, während der zweite Zweifel vom Teufel geschickt wird, mutete niemand komisch an. Zweifel ist natürlich niemals gleich Zweifel, das wäre zu trivial.


Jetzt, da mich das FSM mit Seinen nudligen Anhängseln berührt hat, merke ich, dass der Zweifel der gleiche ist. Das ist gut so, denn das FSM liebt den Zweifel. Zweifeln schützt uns vor dem ganzen anderen Blödsinn da draußen. Zweifeln macht stark und ist gleichzeitig Dienst an IHM.

Brüder und Schwestern, das ist unsere Stärke: Der feste Glaube an ES und gleichzeitig der Zweifel an seiner Existenz. 

RAMEN



Ein Gastbeitrag von Dr. SAC