30.11.2017

Das Wort zum Freitag - Grenzenlos tolerantes Pastafaritum?



"Nanu, was ist denn hier in der Gruppe los? Ich dachte, hier geht es um Spaß und das lustige Monsterchen? Aber ihr hetzt nur gegen andere Religionen"
So ungefähr lautete der erste Post, den Tina Schulze in unserer Gruppe abgesetzt hatte. Leider ist das nicht mehr nachlesbar, dieses Fakeprofil wurde inzwischen gelöscht und damit sind auch alle ihre Beiträge weg. "Tina Schulze" war lediglich Mitglied in einer Gruppe, in unserer.

Im Weiteren hat sie und auch andere uns vorgeworfen, ein falsches Pastafaritum zu pflegen. Das hätte immer tolerant zu sein und nicht andere Religionen anzugreifen.

Nun, mal davon abgesehen, dass sich das Pastafaritum in jedem Land anders entwickelt hat und es das eine, geschlossene gar nicht gibt, lohnt es sich doch, die Behauptung einmal zu untersuchen.

Fangen wir bei unserem Propheten Bobby Henderson an. Ein lieber und netter Typ und ganz sicher tolerant. Aber als in Kansas die Genesis der Bibel gleichberechtigt mit Darwins Evolutionstheorie im Biologieuntericht gelehrt werden sollte und dann auch wurde, hat es ihm gereicht. Er schrieb den "Offenen Brief an das Schulamt von Kansas", mit dem das Pastafaritum begründet wurde. Ich würde das nicht unbedingt als Akt der Toleranz sehen.

Aber das Pastafaritum selbst?

Ganz zweifellos ist das 1. ALWM ein klares Zeichen der Toleranz. Noch wesentlich deutlicher wird die Aufforderung zu der im 3. ALWM.

Toleranz gehört also klar zum Pastafaritum.
Aber immer und in jedem Fall?

Schon im IV ALWM kommen da Zweifel auf: "... Wem das nicht passt, der kann mich mal – Ich glaube, die Formulierung lautet: am Arsch lecken."
Ganz eindeutig wird es im V.: "...Esst etwas, dann macht euch über die Idioten her."

Es ist bekannt, dass ES nicht die hellste Birne im Universum ist. Es ist auch bekannt, dass ES nicht der strafende Herr, sondern eher so der Kumpel von nebenan ist, mit dem man auch schon mal auf ein Bier geht. Aber genau wie der Kumpel von nebenan kann auch das Monster mal böse werden. Vor allem, wenn man die falsche Kopfbedeckung trägt:

" Außerdem zeugt es von mangelndem Respekt, unseren Glauben zu verbreiten, ohne das Ornat Seiner Wahl zu tragen - die Kluft der Piraten. Das lässt sich gar nicht genug betonen, allerdings leider nicht näher erklären, weil hier der Platz dazu nicht reicht. Die präzise Erklärung lautet:

ES wird böse, wenn wir es nicht tun."

Mag sein, der Eine oder die Andere, die sich das Monster immer nur als süßen Wattebausch vorgestellt haben, sind nun enttäuscht. Aber das braucht ihr nicht, denn, was uns das Monster sagen möchte, ist eine einfache Wahrheit: Grenzenlose Toleranz ist das Ende der Toleranz.

Ganz im Sinne von Karl Popper, der in seinem Werk "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde" das Toleranzparadoxon so beschrieb:

„Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die uneingeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen......

.....Im Namen der Toleranz sollten wir uns das Recht vorbehalten, die Intoleranz nicht zu tolerieren.“

Dem bleibt nichts hinzuzufügen.

23.11.2017

Das Wort zum Freitag - Feiertage im Wandel




Seit Urzeiten gab es Feiertage, die entstanden, um die Götter zu ehren, an die man gerade glaubte. Schon weit vor dem Christentum gab es viele Kulturen, die am kürzesten Tag des Jahres die Wiedergeburt der Sonne und des Lichtes feierten. In den nordischen Ländern wurde dieses Fest JUL oder JOL genannt. Es bildete den Höhepunkt der dunklen Zeit und hat einen ganz alten Bezug zu Odin. Sonnen-, Toten- und Fruchtbarkeitsriten wurden durchgeführt bis Papst Hippolytos im Jahre 217 den 25. Dezember als Tag der Christgeburt benannte. Der alte Sonnengott ging, der neue Christengott kam. Seinen uralten Ursprung hat dieses Fest in die Mythenwelt unserer Vorfahren.

Ob sie sich wohl darüber beklagten, dass sie nun den Christengott statt ihres Sonnengottes anbeten sollten? Ob sie ihn heimlich trotzdem noch eine Zeit lang weiter anbeteten, bis er ganz langsam in Vergessenheit geriet? Lassen wir ihnen ihr Geheimnis.

Alles im Leben rächt sich irgendwann. Jüngst verfolgte ich im TV eine Reportage über die Vorweihnachtszeit. Es wurde berichtet, dass die Weihnachtsmärkte vielerorts bereits Mitte November ihre Tore öffnen, damit es sich der Aufwand für die Händler auch lohnt. Da der gottlos glückliche Mitmensch dieses Angebot gern annimmt und schon mal im nasskalten und grauen November den Genüssen der Weihnachtsmärkte erliegt, scheinen Angebot und Nachfrage zu harmonieren.

Die Christen finden das allerdings nicht so toll oder tun zumindest aus zwingendem Gehorsam so. Ich erfuhr, dass der November ein ruhiger Monat zu sein hat, in dem man sich besinnt, bevor dann im Advent wieder gefeiert werden kann. Nicht schlecht!

Mal runter zu fahren tut bestimmt so manchem gestressten Mitmenschen gut. Braucht er das aber gerade nicht oder ist ihm mehr nach Lichterglanz, Glühwein, Bratwurst, Pfannkuchen, wird er Orte finden, wo er das bekommen kann, was ihm gut tut, vielleicht auch auf Weihnachtsmärkten. Das Weihnachtsfest, wie es die Christen verstehen, gibt es wohl kaum noch. Hardliner praktizieren es vielleicht noch, ansonsten ist das Christkind wohl gegangen und vom Weihnachtsmann abgelöst worden. Einzig geblieben ist die Wintersonnenwende. Nur die Art, sie zu feiern, wandelt sich ständig.

Schleierhaft ist mir, wie man sich aufregen kann, dass Weihnachtsmärkte bereits im November öffnen. Hätte mich das gestört, würde ich ihnen fern bleiben. Kann doch jeder machen, wie er will.

Ich freue mich auf unser Pastatfest, das in diesem Jahr am 1. Dezember beginnt. Und weil es so schön ist, dürfen in diesem Jahr wieder 4 Kerzen auf den Pastatskranz.


Habt eine schöne Pastatszeit. Ihr wisst ja, das Monster ist nicht grummelig, falls ihr schon mal vorher die Pastatsfreuden genießen wollt und Es wird euch auch nicht bestrafen, falls ihr dieses Fest einfach ignoriert. Alles geht, nichts muss.

17.11.2017

Das Wort zum Freitag - Gesellschaft und Religion in Wechselwirkung



Vor zwei Wochen habe ich von der Demonstration in Göttingen berichtet. Die war Teil eines Pastafariwochenendes, das die Alte Schule Fredelsloh organisiert hatte. Ein weiterer Höhepunkt war dort am Abend das Streitgespräch zwischen Pfarrer Klaus-Wilhelm Depker und mir. Zunächst gab es einen Vortrag (siehe unten) zum Thema.
Weil ich es stark fand, dass sich ein Pfarrer stellte, der Templiner Pfarrer Schein hat auf ein ähnliches Angebot nicht einmal geantwortet, wollte ich versöhnlich anfangen. Deshalb wählte ich als Einstieg den Hinweis auf zwei Pfarrer, die ich bis heute bewundere. Walter Schilling lernte ich kennen, als ich Ende der 70ger mit Leuten von der Jenaer Jungen Gemeinde bei ihm in Braunsdorf war. Christoph Wonneberger war Pfarrer in der Weinbergkirche in Dresden. Die war Treffpunkt anders denkender und oft auch aussehender Leute und ich war oft dort.

Pfarrer Depker revanchierte sich, indem er zum Einstieg seiner Erwiderung bekundete, von unseren 8ALMWs könnte er alle sofort unterschreiben. Wir mussten fast nach einem Streitthema suchen, die Diskussion mit einem Hardliner wäre sicher spannender gewesen.
Aber letztlich fand sich doch noch dies und jenes. Vor allem auf Carsten Frerk, dessen Bücher ich empfohlen hatte, war er gar nicht gut zu sprechen.

Schade, dass pünktlich zum Ende der Diskussion seine Frau erschien und ihn abholte. Ich hätte gern noch bei einem Bier weiter gemacht.

Weiter ging es dann am nächsten Tag. Da war in Fredelsloh Lichterfest. Wegen der Sturmwarnung nicht zentral an einem Ort, sondern aufgeteilt in Garagen. Wir liefen alle ab und spendeten jeder SEINEN Segen. Nebenher verteilte Elli Spirelli noch unsere Lutherflyer, die gingen weg wie warme Semmeln. Den letzten schlugen wir dann nach Lutherart an die Tür der wirklich sehr interessanten Kirche.


Schöne war´s, wir haben uns wohl gefühlt.

Bleibt nur noch mein Vortrag. Ich habe hier versucht, ihn anhand meiner damaligen Stichpunkte auszuformulieren. Er war als Impulsvortrag für die Diskussion gedacht, ist also keinesfalls bis in alle Enden ausgearbeitet. Über Vorschläge zu Ergänzungen würde ich mich sehr freuen.


Kirchenkritik ist für Viele selbstverständlich. Nach anfänglicher sanfter Zuneigung kam ich schon in der DDR zu der Ansicht, Kirche und SED stehen auf einer Ebene: beide missbrauchen eine populäre Idee zum Machterhalt.

Die katholische Kirche spielte keine große Rolle, mit Kirche meine ich die evangelische. Die verfügte über einen großen Besitz an Grundstücken und Gebäuden, hatte eigene Schulen und Krankenhäuser, und bekam Geld vom Staat. Bis 1981 immerhin fast 700 Millionen Mark. Zum Vergleich, das Anfangsgehalt eines Diplomingenieurs lag so bei 500,- Mark.
Die Kirche hatte eigene Zeitungen und in inneren Angelegenheiten war sie immer frei.
Die stand letztlich fest zum Staat, was sie mit ihrer selbst gegebenen Begrifflichkeit "Kirche im Sozialismus" auch klar nach außen bekannte. Nur einzelne Pfarrer, die dafür von ihren Oberen gemaßregelt und sogar ihrer Funktion enthoben wurden, waren oppositionell.
Nun dienen diese Pfarrer der Kirche dazu, die Legende von der "Kirche im Widerstand" zu prägen.

Heute geht es den beiden Großkirchen allerdings, verglichen mit der DDR, geradezu paradiesisch. Inzwischen sind es rund 20 Mrd. Euro, die sie vom Staat jährlich abfassen. Hinzu kommt eine Unmenge von Sonderrechten.

Manche meinen, das wäre verdient, denn die Kirchen tun ja so viel Gutes. Ja, sie tun auch Gutes. Aber das könnten andere sogar noch besser. Diakonie und Caritas, die weltgrößten Sozialkonzerne, geben gerade mal 2% Eigenmittel für ihre Arbeit aus. Der Rest kommt von Spenden und vom Staat. Dafür haben sie ein Sonderarbeitsrecht, das ihre Mitarbeiter deutlich schlechter stellt und sogar weltanschaulichen Gehorsam fordert. Vor allem aber sind das fantastische Propagandamaschinen, auf die viele Leute herein fallen. Jeder freie Träger könnte diese Sozialarbeit, mit weniger Kosten für den Staat, bei gleicher und besserer Qualität ausüben. Der dürfte es sich z.B. nicht leisten, bei Patienten im Hospiz die Patientenverfügung zu missachten und Kranke einfach gegen ihren ausdrücklichen Wunsch weiter an Schläuchen leiden zu lassen, um Gottes angeblichen Willen zu erfüllen.


Nicht so selbstverständlich ist Religionskritik. Da gibt es das völlig richtige Argument, jeder muss glauben können, was er möchte. Da gibt es aber auch den über Generationen anerzogenen Respekt vor Religion. Religion ist eine Form von Weltanschauung. Wenn man Religion nur deshalb respektieren müsste, müsste man das bei jeder Weltanschauung tun. Niemand würde aber auf die absurde Idee kommen, das auch für Faschismus oder Stalinismus zu fordern. Warum dann für Religion ein Sonderrecht gewähren?

Vielleicht wegen der gängigen Vorstellung, Religion wäre als Grundlage und Hüter einer Moral unbedingt notwendig? Mancher ist ja der Meinung, der Mensch wäre nur gut, wenn ein Gott ihm sagt, was er zu tun und zu lassen hat, das Handeln der Menschen dann allzeit überwacht und die einen in den Himmel und die anderen in die Hölle schickt.

Was will denn der bei uns gängigste Gott so?
613 Ge- und Verbote hat er erlassen. Dabei solche wie:
- Dass ein Samenflüssiger, wenn er rein geworden ist, ein Opfer bringen müsse.
- Dass eine Frau, welche ihre Periode hat, unrein ist und auch andere verunreinigt.
- Dass man aus einem Vogelnest nicht die Mutter samt den Jungen nehmen dürfe, sondern die Erstere wegschicken müsse.
- Dass man den sündigen Nächsten zurechtweise, ermahne.
- Den Gottlosen soll man mit Schlägen züchtigen.
- Das Gericht kann durch das Schwert richten lassen. Auch durch den     Strang. Auch durch Feuer.  Auch durch Steinigen. Auch durch Hängen.
- Dass niemand sich kleide mit Zweierlei (Leinen und Wolle in einem und demselben Zeuge gewebt).
- Dass kein Priester eine Hure zur Frau nehme

Beschränken wir uns auf die so hochgelobten 10 Gebote. Die meisten sind überhaupt nicht mit heutigem Recht vereinbar, zwei wenigstens überwiegend und nur eins ganz. Als Moralgeber ist Religion also denkbar schlecht geeignet. Sie macht den Menschen nicht besser, sie befähigt ihn eher, den Anders- bzw. Nichtabergläubigen als Feind zu sehen und so den natürlichen Altruismus zu überwinden. Ganz im Sinne des Zitats von Steven Weinberg: "Religion ist eine Beleidigung der Menschenwürde. Mit ihr oder ohne sie würden gute Menschen Gutes tun und böse Menschen Böses. Aber damit gute Menschen Böses tun, bedarf es der Religion.“

Positiv wirkt Religion also nicht auf die Gesellschaft, sondern eher negativ. Dafür steht nicht nur die Erkenntnis von Weinstein. Religion beinhaltet immer Dogmen. Solche Denkverbote behindern klar den gesellschaftlichen Fortschritt. Aktuelle Beispiele sind die Sterbehilfe und die Präimplantationsdiagnostik. Hier werden durch die doch inzwischen ziemlich moderaten deutschen Christen, ihre Parteien und Kirchen bessere und von der Mehrheitsgesellschaft gewollte Lösungen verhindert.

Dieses Beispiel zeigt klar, nicht nur fundamentale Religion ist ein Übel.

Trotzdem bleibt es dabei, jeder muss denken und glauben können, was er möchte. Um unsere Gesellschaft besser zu machen, bleibt uns nur ein Weg. Wir müssen immer und überall zeigen, was Religion bewirkt. Wir müssen den unbegründeten Respekt vor Religion abbauen und zeigen, wie lächerlich sie eigentlich ist. Vor allem aber müssen wir eine Alternative bieten, eine Alternative wie den evolutionären Humanismus. 

So wirkt die Gesellschaft auch auf Religion und Religiöse. Das Christentum ist ja nicht durch Selbsterkenntnis moderat geworden. Die Werte von Humanismus und Aufklärung haben die Gesellschaft ergriffen. Der Druck dieser neuen Werte hat auch die christlichen Kirchen verändert. Deshalb, und nicht etwa Dank Luther, sind die heute in Europa auch deutlich moderater als z.B. in Afrika.

10.11.2017

Das Wort zum Freitag - Schülerfragen




"Hallo,

wir wollten uns hiermit noch mal für die freundlichen und interessanten Antworten auf unsere Fragen bedanken. Wir wünschen Ihrer Gemeinde viel Erfolg für die Zukunft."

Das schrieben mir Nicolas und Tibor von der Ernst-Reuter-Schule 2 in FFM.
Immer öfter kommen Anfragen von Schülern, bei denen das FSM Unterrichtsthema ist. Ich hatte schon einige veröffentlicht.
Meist ähneln sich die Fragen, aber die hier waren mal etwas anders.
Deshalb möchte ich euch die und meine Antworten nicht vorenthalten:

1. Warum glauben Sie?

Ich glaube nicht im Sinne der religiösen Bedeutung des Wortes.

2. Was glauben Sie?
Ich glaube, dass auf Erden alles natürlich zugeht, also keine Gnome, Feen, Faune, Götter, Trolle oder sonst so.
Wir sehen uns nicht als Religions-, sondern als Weltanschauungsgemeinschaft und vertreten den evolutionären Humanismus.



3. Was denken Sie über Ungläubige?
Sie haben keine Denkverbote (Dogmen), sind also sehr wahrscheinlich schöpferischer und kreativer.

4. Wie groß ist die Toleranz gegenüber anderen Religionen?
Religionsfreiheit ist ein hohes demokratisches Gut, zu dem wir uns voll bekennen.
Aber dieses Gut beinhaltet sowohl die Freiheit von Religion als auch die Freiheit, Religion in jeder Weise kritisieren zu können. Dazu gibt es durchaus Anlass, denn
Religionen sind immer schädlich für die Gesellschaften, weil sie die nach ihren Ansichten und Dogmen formen möchten.

5. Teilglaube, Supermarkt der Religionen Möglich?
Möglich, denn letztlich gibt es keinen Grund, zwischen Religion und Aberglaube zu trennen. Den kann sich aber jeder zusammenbasteln, wie er möchte.
Sinnvoll ist Aberglaube nie, auch nicht als Supermarktreligion.

6. Lässt sich die Evolutionstheorie mit der Schöpfung vereinen? Wenn ja wie?
Nein. Die Evolutionstheorie ist Wissenschaft, die Schöpfung Märchen.

7. Haben wir einen freien Willen? Oder ist unser Weg vorbestimmt?
Das eine muss nicht zwingend das andere bedeuten.
Der Wille ist nicht frei in dem Sinne, dass es immer ganz konkrete Ursachen gibt, die uns diesen Willen geben.
Aber fehlende Willensfreiheit muss nicht fehlende Handlungsfreiheit bedeuten.
http://www.schmidt-salomon.de/bruno/Archiv/realfreih.pdf

8. Entwickelt sich die Religion weiter?
Ja, man kann sogar von einer Evolution der Religionen sprechen.
Allerdings erfolgt diese Entwicklung nicht nur aus sich selbst heraus, sondern auch, manchmal vor allem, auf Druck der Umgebungsgesellschaft. So hat nicht etwa moderate Religion Humanismus und Aufklärung gebracht, sondern Humanismus und Aufklärung moderatere Religionen.

9. Was denken Sie wie sieht die Zukunft des Glaubens aus? Wird es die Pastafari in 20 Jahren noch geben?
Die Pastafari wird es so lange geben, wie noch gezeigt werden muss, wie albern und unsinnig Religion ist.
Es wäre schön, wenn das in 20 Jahren schon vorbei wäre. :)'

10. Denken Sie, die Wissenschaft verdrängt irgendwann das Bedürfnis des Glaubens? Was denken Sie würde dann aus den verschiedenen Religionen?
Es gibt kein Bedürfnis des Glaubens. Gäbe es das, wie ließe sich erklären, dass in den neuen Bundesländer auch nach der Wende der Anteil an Gläubigen nicht gestiegen ist? Trotz massiver Evangelisierungsversuche der Kirchen ist im Gegenteil der Anteil der Atheisten noch weiter gestiegen auf deutlich über 80%.
Die Religionen werden immer bedeutungsloser werden. Zur Erklärung der Welt haben sie nie getaugt und das erkennen immer mehr Menschen. Ein Überleben sehe ich auf der Ebene von Traditions- und Trachtenvereinen.

11. Wie finanziert sich die Kirche? Reichen die Spenden?
Unsere Kirche ist als Verein organisiert. Die Mitglieder bezahlen Vereinsbeiträge und wir bekommen Spenden. Da wir ein große Zahl von Sympathisanten haben reichen die für unsere Aufgaben aus.
Wir hätten gern, dass wir gleichberechtigt mit den Großkirchen wären. Das aber auf unserem Niveau, die Großkirchen sollten also auch Vereine werden und ihre Sonderrechte incl. staatlicher Subventionen von über 20 Mrd. Euro jährlich verlieren.

12. Für was werden die Einnahmen benutzt?
Das schreibt uns unsere Vereinssatzung vor: Zur Förderung wissenschaftlicher Weltanschauungen mit sachlichen und satirischen Mitteln unter besonderer Berücksichtigung des evolutionären Humanismus der Giordano-Bruno-Stiftung. Das Pastafaritum ist das satirische Mittel.

02.11.2017

Das Wort zum Freitag - Luther, Vater der Kinder-Euthanasie



Dieses Wort hätte gut auch den Titel "Vom Winde verweht" tragen können. Besser noch, vom Sturm verweht. Wir hatten unsere Demo mit Nudelmesse in Göttingen gut angekündigt, zwei Zeitungen hatten im Vorfeld berichtet und vier Journalisten waren vor Ort. Wie ausnehmend gut es ihnen gefallen hat, könnt ihr unten in dem Kurzvideo sehen. Wir waren also ganz, ganz sicher, tolle Berichte über uns in den Medien zu haben. Auch bei RTL, die sich unser Video schicken ließen.

Dann wütete Sturm Herwart. Als ich RTL um den Link zum Beitrag gebeten habe, kam "Vielen Dank nochmal für Ihre Mühe. 
Das Material war durchaus sendbar, leider hatten die Kollegen am Montag durch den Sturm doch keinen Platz mehr in der Sendung. Das ist natürlich besonders ärgerlich und tut mir wirklich leid."


Ähnlich wird es wohl bei den Zeitungen gewesen sein. 
Na, wenigstens bleibt uns unser eigener Zusammenschnitt und natürlich der Text der Predigt. Womit wir dann auch wieder beim Titel oben wären.




Die meisten wissen es gar nicht. Der Reformator war ein Luder. Unter dem Namen lebte er über 30 Jahre. Ein ziemliches Schimpfwort, das damals noch weitaus stärker war als heute. Ist ja verständlich, wenn einer nicht so heißen möchte, auch wenn es noch so passend war.
Sucht euch was aus, das waren damals übliche Deutungen für Luder: Verlockung, betrügerischer Anschlag, Fallstrick, Hinterhalt, liederliche Lebensführung, der Üppigkeit, dem Wohlleben, schwelgen, schlemmen, verfallenes Lotterleben. Im Luder liegen bedeutet: Sich dem Lotterleben, speziell dem Suff, der Trunkenheit ergeben.

Namensforscher Prof. Udolf meint:
Der Luder, ein Meister der Selbstdarstellung, wählte die hochdeutsche edle Variante seines Namens, um sich nicht der Gefahr auszusetzen, dass jemand anzügliche Bemerkungen über seinen Namen machen könnte.

Ätsch, wir machen sie trotzdem und behaupten "Nomen es Omen". 

„Wir Menschen sind so: Wenn wir einen Pfennig haben, so wollen wir gern einen Gulden. Wenn wir einen Gulden haben, hätten wir gern hundert. Wenn ich eine Kanne Bier habe, wollte ich gern das ganze Fass.“ – So sah Luther sich selbst. (Aus den Tischreden 1532) Bier war ihm ungeheuer wichtig. 
Kein Wunder also, wenn in der Standardausgabe der Luther-Werke aus Weimar das Wort Bier über 250 Mal vorkommt. 

Aber natürlich reicht einem wie ihm Alkohol allein nicht. Wieder er selbst:

„Gestern musste ich daran denken, dass ich ein sehr gutes Bier daheim habe und dazu eine schöne Frau …“  (Brief an seine Frau 1534)

Ja, aus dem Angsthasen vor allem Weiblichen war ein Sexprotz geworden. Stark, was eine entlaufene Nonne alles so drauf hat. 

Aber davon wird man nicht fett. Luther hatte mit dem Kloster auch dem Fasten abgeschworen und ist auf der Wartburg zum Völler geworden. Von da an gings nur noch bergauf...mit seinem Gewicht. Nach und nach legte er sich durch übermäßigen Genuss sämtliche Wohlfahrtskrankheiten zu: Verdauungsstörungen, Gallen- und Nierenkoliken, Schwindel und Kreislaufattacken, Gicht und Rheuma. 

Ja, ich weiß, das geht euch zu sehr gegen den Menschen. Ad hominem ist nicht die feine englische Art.
Aber bei einem, der auf vielen Denkmälern steht, der so verklärt und gefeiert wird wie Luther, kann man schon mal eine Ausnahme machen.
Und wenn Juden über Juden lästern dürfen, Behinderte über Behinderte, dann dürfen auch Dicke über Dicke lästern. 

Bei Behinderten wären wir dann auch voll im Thema. Die sind nicht mit Gottes fehlerlosen Schöpfung vereinbar, mussten also vom Teufel sein oder doch zumindest irgend etwas mit ihm zu tun haben: "Wenn man aber von den teufelsähnlichen Kindern erzählt, von denen ich einige gesehen habe, so halte ich dafür, dass sie entweder vom Teufel entstellt, aber nicht von ihm gezeugt sind, oder dass es wahre Teufel sind."
Was des Teufels ist, muss vernichtet werden. Ganz konkret hat das Luther bei einem geistig behinderten Kind versucht. Er wollte es ersäufen. Seine Begründung: „Ich glaube schlicht, es sei ein Stück Fleisch ohne Seele“
Nur weil sein Landesherr das nicht ganz so sah, blieb der Junge am Leben. Grundsätzlich blieb Luther dabei seiner Meinung. Über geistig behinderte Kinder meint er, man sollte "derartig missgeborene Kinder ertränken".

Luther als Judenhetzer, als Frauenhasser, als Bauernschlächter und als Hexen- und Prostituiertenverbrenner ist schon einigermaßen bekannt. 
Verleihen wir ihm nun einen neuen Ehrentitel. Er hat ihn sich redlich verdient:

Luther, Vater der Kinder-Euthanasie


Zum Abschluss noch ein passendes Zitat und weiterführende Links.


"Die Heiligenlegenden entlarvte Luther als Märchen. An den Bibellegenden hielt er fest; am Teufelsglauben auch; am Hexenwahn auch; an der Ketzervertilgung auch; am Antisemitismus auch – am Kriegsdienst, an der Leibeigenschaft, den Fürsten. Man nennt es: Reformation." (Karlheinz Deschner)

https://www.welt.de/kultur/article126395361/Neuneinhalb-Thesen-gegen-Martin-Luther.html

http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/reformation/235725/populaere-irrtuemer-rund-um-die-reformation

https://hpd.de/artikel/luther-steuergeld-fuer-hassprediger-14937