19.10.2017

Das Wort zum Freitag - Glaubenskodex an der Uni




Glaubenskodex?

Bisher kannte ich den Begriff noch nicht. Eine von zwei aktuellen Pressemeldungen zum Thema Religion und Gesellschaft hat das geändert.

Beide haben schon auf Facebook für einige Diskussionen gesorgt.
In der ersten ging es um einen muslimischen Feiertag. Innenminister de Maiziere hatte den vorgeschlagen, Teile der CDU und besonders der CSU das sofort kritisiert.
Na, ein Feiertag mehr ist ein Tag Arbeit weniger, ist doch also gar keine schlechte Sache, oder?
Könnte man so sehen. Ich sehe es anders. Weitere religiöse Feiertage würden den Einfluss von Religion auf die Gesellschaft stärken. Das brauchen wir gewiss nicht.

Was wir brauchen ist die schrittweise Umwandlung von religiösen Feiertagen in säkulare. Weihnachten, Ostern und Himmelfahrt haben sich schon längst vom Ursprung getrennt, die könnten als traditionelle Feiertage bleiben. Alle anderen werden ersetzt und aufgestockt auf die Zahl, die die Stadt mit den meisten Feiertagen hat. 

Das wäre Augsburg mit 14.

Ein andere Möglichkeit wäre, den Mindesturlaub anzuheben und sämtliche Feiertage, bis auf zwei, drei mit klarem Bezug zum Staat und damit allen Bürgern, abzuschaffen. 


Mehr Religion ist immer der falsche Weg, auch, wenn es, wie in dem Fall, mit einem Arbeitstag weniger zunächst einmal angenehm sein sollte.

In der zweiten Meldung ging es um die Uni Hamburg. Dort war es immer mehr zu religiösen Übergriffen gekommen, die drohten, den normalen Lehrbetrieb empfindlich zu stören. Salafisten haben auf den Fluren öffentlich gebetet, Studentinnen wurden aufgefordert, Kopftuch zu tragen, es wurde gefordert, die Vorlesungen nach den muslimischen Gebetszeiten auszurichten und anderes mehr.

Höchste Zeit, dem entgegen zu wirken, meinte die Uni und stellte einen klaren Kodex für religiöses Verhalten auf. Es ist der erste in Deutschland. Wie immer in solchen Fällen steht zu erwarten, andere Universitäten werden nachziehen.

Die obigen Forderungen sind damit vom Tisch, es wird keine öffentlichen Gebete geben und auch keine Anpassung des Lehrbetriebs an muslimische Gebetszeiten. Also alles prima?

Ganz und gar nicht. Prima wäre gewesen, sich klar zur Säkularität zu bekennen: Religion hat an der Uni nichts zu suchen.

Der Kodex bringt das Gegenteil. Er stellt im Prinzip darauf ab, jede religiöse Praxis zu erlauben, die nicht unmittelbar den Lehrbetrieb stört. Der Vormarsch religiöser Praktiken und damit die Religionisierung der Gesellschaft geht weiter. Sogar die Vollverhüllung wird ausdrücklich erlaubt und lediglich bei Prüfungen und zur Feststellung der Identität eingeschränkt.

Das hätte ich mir anders gewünscht.





13.10.2017

Das Wort zum Freitag - Bildungsfernsehen?




"Außer Thesen nichts gewesen" fragt der MDR in seiner Sendung "Fakt ist!"

An einer ergebnisoffenen Klärung dieser Frage war er gar nicht interessiert. Das zeigte die Zusammenstellung von drei befragten Bürgern, bei der sich zwei positiv zum Lutherjahr äußerten. Das zeigte sich aber vor allem auch an der Zusammenstellung der Teilnehmer der Sendung.

Dabei waren:

Christian Wolf, Pfarrer der Thomaskirche Leipzig im Ruhestand,

Irmgard Schwätzer, Präses der Synode der EKD,
Maximilian Steinhaus, Regionalgruppenkoordinator der gbs und
Benjamin Lassiwe, freier Journalist in der Diskussionsrunde sowie


Superindendentin Kristin Jahn, ehem. Pfarrerin in Wittenberg und
Dr. Reinhold Brunner, Lutherbeauftragter der Stadt Eisenach,

als Studiogäste mit eigenen Redebeiträgen.

Nun hätte man noch von einem freien Journalisten kritisches Hinterfragen erwarten können, aber das Statement von Steinhaus 

"250 Millionen Euro für den Luther-Hype, so exzessiv hat der Staat noch nie jemand gefeiert und damit gegen seine Pflicht zur weltanschaulichen Neutralität verstoßen." 
konterte Lassiwe sofort mit seinem: 
"Die Co-Finanzierung durch den Staat war gerechtfertigt. Der Staat hat mehr profitiert als die Kirchen." 

Das war echt witzig, denn wenn 202 von 250 Mio von der öffentlichen Hand kommen und gerade mal 48 Mio von der Kirche, war doch eher die der Co-Finanzierer.

Alle anderen fanden erwartungsgemäß, trotz gelegentlicher Kritik an Einzelheiten, das Lutherjahr war sinnvoll und gelungen. Wobei man sich nicht so recht einigen konnte, was eigentlich gefeiert wurde, Luther oder die Reformation.
Wenn Steinhaus kritisierte, einen üblen Hetzer wie Luther dürfe man nicht feiern, kam die Antwort, man hätte ja auch die Reformation gefeiert. 

Wenn es darum ging, die Feier und die damit Beauftragten zu benennen, war es das Lutherjahr und Lutherbeauftragte.

Darf ein weltanschaulich neutraler Staat eine weltanschauliche Feier fördern?

Diese entscheidende Frage wurde kurz abgebügelt.

Natürlich darf er das, denn es wurde ja mit der Reformation ein weltgeschichliches Ereignis gefeiert. Außerdem hätte der Staat durch volle Hotelzimmer Gewinn gemacht, die Kirchen mit Besucherzahlen weit unter den Erwartungen jedoch Minus (Lassiwe). Wie beides, niedrige Besucherzahlen und volle Hotelzimmer, zusammen passt, bleibt mir ein Rätsel. 

So ging es wohl auch Steinhaus, denn er führte an, dass die dann immerhin mit einer öffentlichen Förderung von 900 Euro pro Teilnehmer erreicht wurden. Da dürfte der Staat, trotz einiger Steuereinnahmen mehr, insgesamt großes Minus gemacht haben.
Außerdem würde selbst Gewinn für den Staat den nicht berechtigen, seine weltanschauliche Neutralität aufzugeben. 

Die ist aber, laut Wolf, sowieso nur eine Mär. 


Schwätzer wusste, der muss zwar neutral sein, darf aber rechtlich durchaus mit ihnen zusammen arbeiten. Steinhaus antwortete, das wäre zwar gegenwärtige Rechtsprechung, stünde aber nicht so im Grundgesetz. Gerade in Zeiten, wo immer mehr Menschen die Kirche verlassen und der Anteil Konfessionsloser zunehmend größer wird, müsste sich die ändern.

Lassiwe wies darauf hin, die öffentliche Hand würde auch andere Großveranstaltungen, wie Sportfeste, fördern, verfehlte damit aber wieder einmal das Thema. Die sind wohl kaum weltanschaulicher Natur.
Immerhin forderte er, die Verwendung der Mittel genau zu kontrollieren und festzustellen, wer fragwürdige Aktionen genehmigt hätte.

Ansonsten ging es eher um kircheninterne Fragen. Hat das Lutherjahr die Krise der Kirche verdeutlicht ( Wolf) oder war es ein Highlight, welches ihr Rückenwind gibt (Schwätzer)? Jahn musste auf die Frage, ob sich der massive Einsatz von Geld denn für die Kirche gelohnt und es Kircheneintritte gegeben hätte, antworten, ihr wären keine bekannt.

Schwätzer, die anfangs behauptet hatte, Sinn des ganzen Aufwandes wäre die Feier des Weltereignisses Reformation gewesen, konkretisierte dann am Ende doch noch, worum es eigentlich ging. Das Reformationsjubiläum sollte deutlich machen, was die Beziehung zu Gott an guten Dingen im Leben eines Menschen bewirken kann. 


Vorher wollte schon Wolf, die Grundlagen des Glaubens müssen wieder in der Gesellschaft präsent sein.

Der setzte auch noch einen abschließenden Glanzpunkt. Als Steinhaus forderte, der Staat möge auch Aufklärer ähnlich aufwändig wie Luther feiern und im nächsten Jahr den 70. Jahrestag der Menschenrechte, unterbrach ihn Wolf mit dem Hinweis, die Kirchgemeinden würden das jedenfalls tun. Am selben Tag hätte Luther die Bannbulle verbrannt.
Da konnte Steinhaus nur sanft und verzweifelt lächeln.






Den absoluten Knaller setzte aber der Moderator. 


Nach der Schlussbefragung der Teilnehmer, ob die Feierei denn nun sinnvoll war, kam er erneut auf das Geld zu sprechen. 250 Mio klänge erst einmal nach ganz, ganz viel, aber die Fußball WM 2006 hat 3,1 Mrd. Euro gekostet, davon 200 Mio allein die Sanierung des Olympiastadions.


Das war unerträgliche Relativierung und verfehltes Thema, denn die war eben nicht weltanschaulich geprägt.

Vor allem aber war es der klare Nachweis, diese Sendung war kein Bildungsfernsehen sondern astreine Lobbyarbeit. Diese Schlussbemerkung war klar vorbereitete Abschlussaussage.

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen verkommt zum Propagandainstrument der Kirchenrepublik Deutschland.





05.10.2017

Das Wort zum Freitag - Hetze adelt



Sturm und Regen draußen, trübe Gedanken drinnen. 


Sind wir wirklich schon eine vollwertige Weltanschauungsgemeinschaft? Klar, wir haben mit dem Naturalismus zweifellos eine umfassende Erklärung für die Welt, die 8 ALWMs und die 10 Angebote des Evolutionären Humanismus sind die Richtlinien unserer Ethik, wir haben gemeinsame Riten, gemeinsame Feiertage und Feste. 



Aber reicht das schon? Ist nicht jede Weltanschauung erst eine, wenn sie wirklich auch heftig, bevorzugt aus dem religiösen Lager, angegriffen wird? 



Da fehlt uns noch was.....dachte ich jedenfalls erst. 



Dann fiel mir ein, da gab es doch schon was. Hat der evangelische Pfarrer Templins nicht gedroht, notfalls unsere Nudelmessenhinweisschilder selbst abzuschrauben? Hat uns der katholische Gemeindereferent in Templin nicht als bösartigen Karnevalsverein bezeichnet? Gab es in diesem Zusammenhang nicht mehrfache Sachbeschädigungen eben diese Nudelmessenhinweisschilder?



Das war doch schon was. Aber irgendwie fehlte da noch der rechte Schmiss. 






Ein bisschen fehlte der mir auch noch bei der Mail von Tyler Durden:

hallo rüdiger weida!


vor kurzem habe ich folgenden artikel auf heise.de im newsticker gelesen:

das oberlandesgericht brandenburg anfang august der kriche des fliegenden spaghetti monsters deutschland e.v. (der name ist der abschuss) die rechte einer relgions- und weltanschauungsgemeinschaft verwehrt! hintergrund war wohl, das ihre angebliche religons- und weltanschauungsgemeinschaft (sic!) am ortseingang von templin schilder zur 'nudelmesse' aufstellten bzw. nun dies verboten wurde! gibts da jetzt jeden freitag um 10 h spaghetti al dente für die sektenmitglieder ;-)?!


heute lass ich diesen artikel, ebenfalls auf heise.de im newsticker:

das sich das olg brandenburg mit so einem scheiss befassen mußte ist schon traurig genug! die gerichte haben weitaus wichtigere sachen zu bearbeiten! aber das ihr spinnerverein bzw. -sekte sich nun auch noch an das bundesverfassungsgericht mit der sache gewandt hat, schlägt dem fass den boden aus! ich hoffe mal, das das bundesverfassungsgericht ihrem deppenverein bzw. -sekte einen ordentliche klatsche bzw. abfuhr erteilen wird!


mfg,
tyler durden





Aber da war doch noch was. Na klar, die Mail "Ich bette für Euch und eure Sünden..Amen.." von Franz Lederer aus Österreich mit den 36 Bildanhängen. Ein paar wären sicher rechtsrelevant bei Veröffentlichung. Aber einige wollte ich euch nicht vorenthalten und habe sie hier in dem Wort verteilt. 



Der Knaller ist aber die Mail selbst, aus der ich, der Übersicht halber, die ganzen Verlinkungen und Bildchen von irgendwelchen Artikeln  auf katholisch.de gestrichen habe, die er vor jede neue Anschuldigung gesetzt hat. So wirkt die Kraft des klaren Wortes dann auch viel besser: 



Ihr Jüdischen-Nazi und Handlanger des Internationalen-Judentums habt mitgeholfen die Christenverfolgung nach Europa zu bringen..Ihr gehört vors Kriegs.- und Menschenrechtsverbrecher-Tribunal nach Den Haag..Sonst nichts..


Nach der Islamisierung-Ägyptens wurden den Christen..die nicht Konvertiert sind..ein Kreuz..wie den Juden..am Unterarm tätowiert..

6 Millionen-Muslime konvertieren jährlich zum Christentum - weil Sie Jesus dem Dschihad vorziehen--

Spanische-Katholiken werden vom IS..Terrorisiert..ihr gehört am Scheiterhaufen verbrannt oder in die Gaskammer gesteckt..mehr hat Gott für solche Monster nicht vorgesehen.. 

In Indien werden Terroranschläge gegen Katholische-Kirchen geführt..ihr gehört am Scheiterhaufen verbrannt oder in die Gaskammer gesteckt..mehr hat Gott für solche Monster nicht vorgesehen.. 

12-13 Millionen katholische-Chinesen bekennen sich zur katholischen Kirche & dem Papst..ihr gehört am Scheiterhaufen verbrannt oder in die Gaskammer gesteckt..mehr hat Gott für solche Monster nicht vorgesehen.. 

Hier kämpfen Katholiken gegen den Islam..ihr Völker.- Kriegs.- & Menschenrechtsverbrecher..ihr gehört am Scheiterhaufen verbrannt oder in die Gaskammer gesteckt..mehr hat Gott für solche Monster nicht vorgesehen.. 

Der Herr wird über Euch-Richten..wie Er über alle Richtet..Amen.. 



Was kann man daraus folgern?

1. Der Franzl kennt seinen Gott richtig gut und bettet deshalb für uns.

2. Meine trüben Gedanken waren fehl am Platz:

Wir haben es geschafft und sind endlich vollwertig!!!

29.09.2017

Das Wort zum Freitag - Must-have



Das Pastafaritum kennt ein Buch: "Das Evangelium des Fliegenden Spaghettimonsters". Ein ganz klares Must-have für jeden Pastafari. Der eine oder andere Pastafari hat noch von "The loose Cannon", einem Sammlesurium von Beiträgen verschiedener Autoren, gehört. Zunächst von der Kritik gnadenlos zerrissen wurde es nachgebessert, ist aber noch weit davon entfernt, wirklich in jedes Bücherregal zu müssen.

"Das Fliegende Spaghettimonster - Religion oder Religionsparodie", um es gleich vorweg zu nehmen, hat genau dieses Potential. Ich kann Michael Schmidt - Salomon nur zustimmen, der im Vorwort schreibt:

"Dieses Buch ist nicht weniger als ein Meilenstein der Nudeligen Theologie, das nicht nur in Deutschland, in Europa und in der UN-Vollversammlung ungeteilte Aufmerksamkeit finden sollte, sondern im gesamten Multiversum".
Dazu braucht es nur noch übersetzt zu werden, alles andere hat es bereits.

Das verwundert nicht. Daniela Wakonigg, gelernte Theologin und Philosophin, hat als Journalistin unter anderem Lesern des hpd und als Sprecherin Hörern von Deutschlandradio Kultur und Wissen bereits nachgewiesen, dass sie nicht nur ausgezeichnet recherchiert, sondern auch gekonnt mit dem Wort umgehen kann. Das Buch liest sich einfach nur so weg. Die vielen Informationen gehen fast wie nebenbei ins Hirn. Dann lassen sie sogar alte Hasen wie mich, die glauben, alles um das Monster zu kennen, staunen und Neues aufnehmen. Da gibt es doch tatsächlich Pastafari, die von Vleischbällchen reden, wenn sie unseren nudligen Gott beschreiben. Vleischbällchen, ich kannte nicht mal das Wort und dachte im ersten Moment an einen Schreibfehler. Nun weiß ich, so nennen Veganer Bällchen ohne Fleisch. Nun weiß ich auch, warum es Religionskritik schon gibt, seit Religionen aufgekommen sind, Religionsparodien aber erst in der Neuzeit. Es fehlte einfach am nötigen Abstand, den man für Satire von dem Gegenstand braucht, den man parodieren möchte.

Das und vieles mehr wird dem zufrieden schmunzelnden Leser offeriert. Dabei wird keinesfalls nur Bezug auf unsere deutsche Kirche genommen, sondern das weltweite Phänomen Pastafaritum von der Entstehung bis zu einzelnen Ausprägungen betrachtet.
Daniela Wakonigg untersucht dabei, wen wundert es, sowohl nach theologischen als auch nach philosophischen Kriterien, ob das Pastafaritum Religion oder Religionsparodie ist. Für beides findet sie gute Argumente. Letztlich muss der Leser entscheiden, welche bei ihm mehr stechen.

Viel mehr möchte ich auf den Inhalt des Buches nicht eingehen. Wer mehr dazu wissen möchte, dem empfehle ich die ausführliche Rezension von Nic.

Der schreibt dort "Eher trockenes Verwaltungsrechtsdeutsch erwartet den Leser im zweiten Teil des Buches: Dr. Winfried Rath schreibt über das "Spaghettimonster und Nudelmessenhinweisschilder aus juristischer Sicht". Der Verdacht liegt nahe, dass es sich hier um ein Plädoyer handelt, dass Dr. Rath in Frankfurt/O., Brandenburg vortrug oder demnächst in einer höheren Instanz vortragen wird."
Nein, das ist kein Pladoyer und, wie ich finde, auch kein trockenes Verwaltungsrechtsdeutsch. Klar, der leichte Schwung des Wortes aus dem ersten Teil fehlt, dem Thema geschuldet, hier. Aber alles ist durchaus auch für Laien gut verständlich dargelegt. Nur der Abschnitt "Juristische Feinheiten", der sich direkt an Juristen richtet, ist doch etwas speziell. Aber der gehört auch zu einem Direktoriumsmitglied des Instituts für Weltanschauungsrecht.

Ansonsten geht es um religiöse Kopfbedeckungen und Nudelmessenhinweisschilder, genau die beiden Sachen, in denen wir auch vor Gericht sind. Es werden Hintergründe und politische Verflechtungen erläutert, über die Sachbeschädigungen und unsere Reaktion darauf berichtet und selbst meine Beschuldigtenvernehmung durch die Polizei Wittenberg wird erwähnt. 


Fazit:

Das Buch ist unbedingt lesenswert. Mit einer Fülle von Informationen spricht es jeden an,  der sich mit Religionskritik und Weltanschauungen beschäftigt. Selbst für Religiöse sollte es interessant genug sein, um den Kauf nicht zu bereuen.

Für Pastafari ist "Das Fliegende Spaghettimonster - Religion oder Religionsparodie"  nicht nur ein Must-have, sondern vor allem auch ein Must-read.

---> zum Kauf

und hier die gute Nachricht für euch.
Wer zuerst die folgende Frage in unserer Facebookgruppe oder auf unserer Facebookseite im Kommentar zum Post beantwortet, bekommt ein von beiden Autoren signiertes Exemplar zugeschickt. :)

Was ist das Wichtigste für einen Pastafari?


14.09.2017

Das Wort zum Freitag - Septemberflüche



Jedes kleine Kind spricht irgendwann das erste Wort. Meist ist dieses Wort noch nicht astrein ausgesprochen, aber die Eltern oder Geschwister verstehen es. Später wird dann im Familienkreise gern zum Besten gegeben, welches Wort es war und wie es sich in Babysprache anhörte.
Fraukes erste zwei Worte waren „fick dich“. Sie erfuhr das nicht von ihren Eltern. Die älteren Brüder zogen sie regelmäßig damit auf, aber eher wegen der putzigen Babysprache. Ansonsten war „fick dich“ wohl der am meisten gebrauchte Spruch in Fraukes Familie.

Schon mit zwei Jahren kannte sie mehr Schimpfworte, als es normalerweise üblich ist bei Kleinkindern. Nicht nur zwischen den Eltern herrschte ein rauer und oft sehr ordinärer Ton, auch die Brüder beherrschten dieses Metier hervorragend.

Als Frauke in den Kindergarten kam, begriff sie schnell, dass ihr Jargon bei den Erzieherinnen nicht besonders beliebt war. Die anderen Kinder jedoch hingen an Fraukes Lippen, weil sie Worte zu hören bekamen, die neu waren und die bei den Erwachsenen außergewöhnliche Reaktionen erzeugten. Das war spannend, führte aber bei den meisten Eltern zu einem strikten Spielverbot mit dem Nachplappermaul. So geriet Frauke schnell ins Abseits.

Da sie jedoch ein überdurchschnittlich kluges Mädchen war, merkte sie bald, welche Worte tabu waren und vermied diese. Sie begann zwischen der Welt zu Hause und der in der Tageseinrichtung zu trennen. Als die Einschulung bevor stand, waren die Erzieher mit Frauke sehr zufrieden.

Die ersten Schultage verliefen gut. Sie fand neue Freundinnen in ihrer Klasse, freute sich darauf, lesen zu lernen und hatte große Freude am Rechnen. Trotzdem wurde sie von fast allen Lehrern ausgegrenzt. „Guck an, Frauke Hämmerling?! Hast du nicht Brüder in der 8., 6. und 4. Klasse? Na, eigentlich müssten die ja alle schon eine Klasse weiter sein?!“ So und ähnlich wurde sie von den Lehrern begrüßt. Den Demütigungen folgte Nichtachtung. Stammt man aus einer Familie, in der die älteren Geschwister weder intelligent noch besonders fleißig sind und obendrein sehr ordinär, dann muss man ähnlich drauf sein. Mit so einem Vorurteil schon in den ersten Schulmonaten kann man eigentlich nur einpacken. Fürs Selbstbewusstsein war das nicht förderlich.
Frauke hatte jedoch Glück im Unglück. Frau Schmidt, ihre Klassenlehrerin, war unvoreingenommen. Sie erkannte die gute Auffassungsgabe des Mädchens und förderte sie von Anfang an. Dankbar sah Frauke in ihrer Klassenlehrerin bald eine Art Ersatzmutter. Die Lehrerin kannte die familiären Verhältnisse ihrer Schülerin und kümmerte sich daher mehr um Frauke, als sie es eigentlich musste. Nach der Schule ging die Kleine gern bei den Schmidts vorbei. Die lebten so ganz anders als ihre Familie. Schmidts Kinder Mina und Ludger behandelten Frauke, wie andere Spielkameraden auch. Das machte vieles wett, was die alltäglich von ihren Klassenkameraden zu hören bekam. Bei der Familie fühlte sie sich pudelwohl. Dort tankte Sie Kraft und wurde selbstbewusster.

Mit dem Älterwerden kam der Wechsel in eine andere Schule. Auch wenn Frauke ihre Eltern doch immer noch gern hatte, die Schmidts blieben ihr wichtigster Anlaufpunkt. Sie empfand sie als ihr Rettungsanker bei stürmischem Seegang. Den Vergleich mochte Frau Schmidt, da Anker und Seegang wie Pasta und Fleischbällchen zu ihr gehörten. Warum, erfuhr Frauke erst, als sie zufällig das Evangelium des Fliegenden Spaghettimonsters in einem Bücherregal entdeckte.

Sie sprach ihre Ersatzmutter darauf an und was sie hörte, lies sie staunen.
Mit Religion konnte sie gar nichts anfangen. Dazu war sie einfach zu klug und durchschaute das, was ihr da im Schulunterricht vermittelt wurde, schnell. Davon sollte sich einlullen lassen, wer wollte. Sie nicht! Weil sie aber ihre Lehrerin immer sehr bewunderte und das, was sie von ihr gehört hatte, doch etwas neugierig gemacht hat, borgte sie sich das Evangelium und las es von Anfang bis Ende. Sie fand vieles, woran sie ihren Spaß hatte. Auch von der Grundidee des Pastafaritums, an allem zu zweifeln, war Frauke angetan. Das hatte so gar nichts mit dem Einlullen anderer Religionen zu tun.

Sie diskutierte über das Gelesene noch einige Male mit den Schmidts, denn da war die ganze Familie so nudlig drauf. Bald dachte sie aber nicht mehr daran, denn sie ging in eine andere Stadt, um zu studieren. Viele neue Eindrücke strömten jetzt auf die neue Studentin ein. Zum ersten Mal fühlte sie sich frei, denn hier kannte keiner sie und die Zeit der Vorurteile schien vorbei. Niemand kannte ja ihre Vergangenheit. Dass sie selbst die einmal preis geben würde, wäre ihr nicht im Traum eingefallen.

Wie das kam, wollt ihr wissen? Das hat mit dem Pastafaritum zu tun und mit der Liebe. Paul, ein Student, der drei Semester mehr auf dem Buckel hatte, fand Gefallen an Frauke. Er diskutierte gern mit ihr, bewunderte ihre Klugheit, ihr tadelloses Benehmen und so manches mehr. Schließlich war er über beide Ohren in sie verknallt. Er nutzte jede Gelegenheit, mit ihr zusammen zu sein, lockte sie zu dieser und jener abendlichen Veranstaltung und so landeten beide irgendwann auch bei einem Pastafaritreffen. Sofort dachte Frauke an ihre Lehrerin und erzählte Paul und den anderen, dass sie das Evangelium bereits gelesen hatte. Lange Rede, kurzer Sinn, als das Treffen vorbei war, gab es zwei Pastafari mehr.

Einen Monat später trafen sich die Pastafari erneut. Sie wollten den „Sprich-Wie-Ein-Pirat-Tag“ vorbereiten. Ausgemacht war ein Treffen im Studentenclub, wo alle sich im Fluchen und Schimpfen, wie es nur Piraten tun, üben konnten. Dieser Abend sollte einfach nur Spaß bringen. Alle freuten sich, mal so richtig wilde Sprüche ablassen zu können. Paul überlegte schon Tage zuvor, wie so ein wilder Piratenhaufen wohl gesprochen haben mochte. Er wunderte sich, dass die sonst so fröhliche Frauke sich so wenig von seiner Vorfreude anstecken ließ.

Als der Abend kam, zogen beide ihr Piratenornat an und stiefelten los. Im Club angekommen, wurden sie zünftig begrüßt. Paul hielt nicht hinter dem Berg und warf massenweise derbe Sprüche in die Runde. Ein Gejohle und Geschrei setzte ein. Das eine oder andere Bierchen machte die Zungen der Piraten zusehens lockerer. Alle, außer Frauke, hatten großen Spaß. Das fiel auf und man versuchte, sie ebenfalls dazu zu bringen, wie eine Piratin zu sprechen. Keiner konnte wissen , wie sehr sie viele Jahre darunter gelitten hatte, ständig ordinäre Aussprüche hören zu müssen. Den so verhassten Namen „Fittis“ (ihr erinnert euch, die Babysprache?!) benutzten die Brüder noch heute, wenn sie Frauke meinten. Woher sollten die anderen wissen, wie schwer es für sie war, da heraus zu kommen und das alles zu vergessen. Nun, da Frauke glaubte, diesem Sumpf für immer entstiegen zu sein, sollte sie erneut ein Fußbad nehmen. Das wollte sie nicht. Aber die leicht angeheiterte Truppe bedrängte sie immer mehr, mit zu fluchen.

Erst war sie traurig, dann wütend, bis sie richtig überkochte. Ein Schwall von Schimpfwörtern der allerübelsten Sorte brach aus ihr heraus. Frauke konnte nicht mehr aufhören und wurde ungewollt zur Piratin des Abends, denn sie übertraf alles bisher Gehörte. Den anderen Piraten klappten die Unterkiefer herunter. Sie erhielt bewundernde Blicke, dann verständnisloses Starren, denn Frauke weinte hemmungslos.

Paul nahm das Häuflein Elend in den Arm und brachte sie nach Hause. Aufgewühlt, wie sie war, erzählte sie Paul aus ihrer Kindheit und er verstand. Er überlegte noch, wie er sie trösten könnte, aber schon saß Frauke kerzengerade vor ihm und lächelte ihn an. „Das hätte ich schon viel eher mal tun sollen“ meinte sie. Durch diesen Ausbruch war es ihr gelungen, über Jahre Angestautes heraus zu schreien. Sie fühlte sich erleichtert und wusste auf einmal, dass die Vergangenheit jetzt wirklich abgeschlossen war. Die inzwischen stolze Piratin des Tages überredete Paul, noch einmal mit ihr in den Club zu gehen. Sie wolle auch den anderen Pastafari erzählen, was ihre Tränen bedeuteten.

Als dann am 19. September tatsächlich der „Sprich wie ein Pirat Tag“ gefeiert wurde, war das eine Party, von der noch lange im Club erzählt wurde. So einen ausgelassenen, wüst fluchenden aber durchweg netten Haufen hatte man dort noch nie erlebt. Paul und Frauke klebten zusammen wie Pech und Schwefel und waren das Zentrum der Truppe.
Die traf sich von nun an immer wieder. Natürlich auch, als die beiden genau ein Jahr später zur pastafarianischen Hochzeit einluden.

Das Brautpaar strahlte um die Wette und genoss seinen besonderen Tag. Sie fluchten wie die Rohrspatzen, es war eine wahre Freude.



Auch heute noch hauen Sie gern raue Sprüche in die Menge, aber nur am „Sprich-Wie-Ein-Pirat-Tag“ und nur zum Spaß. 

08.09.2017

Das Wort zum Freitag - Unsere Regeln



Wir Pastafari vernetzen uns immer mehr. So gibt es schon seit einiger Zeit eine Facebookgruppe, in der wir uns gegenseitig informieren, was so in der Pastafariwelt passiert.

Dort hatte ich auch den englischsprachigen Artikel der Deutschen Welle eingestellt, in dem über unseren Gang zum Bundesverfassungsgericht berichtet wird. Der Artikel ist überschrieben mit " Not dogmatic enough to be a "religion""? Wohl deshalb hat Tanya Watkins, Chefin der australischen Pastafari, kommentiert: "Wir haben ein Dogma".

Mir war klar, und ich denke, das ist es auch euch, was sie meinte. Nämlich das Dogma, keine Dogmen zu haben. Dread Pyrate Higgs, Oberster Kommandant der Kirche von British-Columbia, meinte auch gleich: "Eine Tautologie."

Stimmt. Wo liegt der Ausweg? Er ist einfacher, als viele denken. Keine Dogmen zu haben, bedeutet ja nicht beliebig zu sein. Natürlich braucht jede Gemeinschaft Regeln. So lange die  nicht als unveränderlich gelten, sondern immer wieder überprüft und gegebenenfalls angepasst werden, sind das keine Dogmen.

Also kam meine Antwort: "Wir nennen es unsere oberste Regel".

Hier stieg dann Stephen Smith, der Kapitän von Trinidad - Tobago ein: "Ich würde gern alle eure Regeln kennen.". Gemeint können damit nur die unserer Kirche sein, die allgemeinen des Pastafaritums kennt er ja selbst.
Damit hatte er mich erwischt. Welche konkreten Regeln haben wir eigentlich? Es gibt Einiges, was sich so ergeben hat, aber eine direkte Aufstellung haben wir noch nie gemacht.

Brauchen wir die? Wenn, dann wäre jetzt ein guter Zeitpunkt.

Ich fange mal an:

- Wir akzeptieren keine Dogmen, sondern prüfen unsere Regeln und Werte immer wieder an der sich ständig ändernden Realität und neuen Erkenntnissen.

- Wir folgen dem Wunsch des Monsters und tragen Piratenoutfit, wenigstens aber piratige Kopfbedeckung oder Augenklappe.

- Pastafari, die wegen ihres Eintretens für ihren Glauben Verfolgung oder Nachteile befürchten müssen, sind von der vorigen Regel befreit.

- Wir verstehen uns als Teil der humanistischen Bewegung in Deutschland und arbeiten mit anderen humanistischen Organisationen, besonders mit der gbs, zusammen.

- Wir sind parteilich neutral und arbeiten mit keiner Partei, egal mit welcher, zusammen.

- Wir sind nicht gegen, sondern für etwas. Besonders für den evolutionären Humanismus und einen demokratischen, laizistischen Staat.

- Wir richten unsere Ethik an den 8 ALMWs und an den 10 Angeboten des evolutionären Humanismus aus.

Ich gebe zu, ich musste erst mal einen Weile grübeln, bis ich das zusammen hatte. Bestimmt habe ich noch was vergessen.

Fällt euch noch eine Regel ein, die wir uns gegeben haben?

Dann her mit euren Ergänzungen.

04.09.2017

Verfassungsbeschwerde eingereicht




Seit wir ab dem Jahr 2014 regelmäßige freitägliche Nudelmessen anbieten, kämpfen wir mit wechselndem Erfolg um das Recht, die als Weltanschauungsgemeinschaft ebenso durch Gottesdiensthinweisschilder ankündigen zu können, wie Religionsgemeinschaften.

Im letzten Rechtsstreit hatte das OLG Brandenburg entschieden, dieses Recht stünde tatsächlich auch Weltanschauungsgemeinschaften zu, es sah im KdFSMD e.V. aber keine. In der Urteilsbegründung führte es u.a. aus:
" Dass die Mitglieder des klagenden Vereins "keine Dogmen" kennen und "ihre gefundenen Einstellungen und Festlegungen immer wieder an der sich ändernden Realität" überprüfen und anpassen, "wenn neue Erkenntnisse und Erfahrungen das erfordern", rundet das Bild, dass es dem klagenden Verein an einem Bekenntnis zu einer gemeinsamen Weltanschauung fehlt...ab."

Es scheint also derzeitige Rechtsauffassung zu sein, nur Weltanschauungen mit festen, dogmatischen Lehren und Einstellungen könnten wirklich welche sein. Sich weiter entwickelnde Weltanschauungen wären keine.

Aus dem Selbstverständnis unseres weltanschaulichen Vereins "Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e.V." und auch aus obigem Grund war es deshalb notwendig, Verfassungbeschwerde gegen die verweigerte Anerkennung als Weltanschaungsgemeinschaft einzulegen.

Das ist nun fristgerecht beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe geschehen. Am Freitag, d. 01.09.2017 wurde sie per Eilkurier übergeben.

Unsere "Rechtsabteilung" unter RA Dr. jur. Winfried Rath hat sich mächtig ins Zeug gelegt.
Deshalb bin ich, genau so wie er, überzeugt, das Bundesverfassungsgericht wird sich eingehend mit der gesamten Materie beschäftigen und in der Folge den Weltanschauungsstatus des KdFSMD e.V. bestätigen.

Hier ein paar Auszüge aus der Begründung der eingereichten Verfassungsbeschwerde:

...Während der Beschwerdeführer selbst nur etwa 250 Vereinsmitglieder hat, wird die Zahl der Anhänger des Fliegenden Spaghettimonsters, die sich selbst als Pastafari bezeichnen, in Deutschland auf etwa 20.000 Menschen geschätzt. Dem Auftritt des Beschwerdeführers bei Facebook folgen über 12.000 Internetnutzer.



Über die Ursprünge der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters in den USA geht der Beschwerdeführer deutlich hinaus. Die Religionskritik in Form der Religionssatire des Fliegenden Spaghettimonsters ist für den Beschwerdeführer kein Selbstzweck. Sie dient ihm explizit als Mittel zum Erreichen seines Ziels: Der Förderung und Verbreitung der Weltanschauung des evolutionären Humanismus sowie der mit diesem verbundenen offenen und toleranten Ethik.....Der Zweck des Beschwerdeführers ist also keineswegs der, eine Religionsparodie zu sein. Er vertritt eine positive Weltanschauung – den evolutionären Humanismus der Giordano-Bruno-Stiftung – für deren Durchsetzung er kämpft, indem er als Mittel die Religionssatire nutzt.

....



Spezifisches Verfassungsrecht ist verletzt. Der Beschwerdeführer ist eine Weltanschauungsgemeinschaft, was ihm durch das Urteil des Brandenburgischen Oberlandesgerichts und des Landgerichts Frankfurt (Oder) abgesprochen wird. Dadurch ist er in seinem Recht aus Art. 4 GG verletzt. Es ist für eine Weltanschauungsgemeinschaft keine erheblichere Grundrechtsverletzung denkbar, als dass dieser ihre Eigenschaft als Weltanschauung durch eine gerichtliche Entscheidung aberkannt wird. Die Verfassungsbeschwerde betrifft gerade die Frage, ob dem Beschwerdeführer die Anerkennung als Weltanschauungsgemeinschaft ohne Verletzung seines Grundrechts aus Art. 4 Abs. 1 und 2 GG verweigert werden darf.

....


Daneben kommt der Verfassungsbeschwerde grundsätzliche verfassungsrechtliche Bedeutung zu. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Voraussetzungen ein Verein oder eine ähnliche Organisationsform erfüllen muss, um als Weltanschauungsgemeinschaft anerkannt zu werden und ob Religionssatire als Stilmittel verhindern kann, als Weltanschauung zu gelten.
....Verfassungsrechtliche Bedeutung kommt dem Verfahren auch zu, weil eine zu den christlichen Kirchen in Konkurrenz stehende Weltanschauungsgemeinschaft die Verletzung seiner Rechte aus Art. 4 GG rügt.

.....


Eine Position, die gelegentlich zu Fehlinterpretationen hinsichtlich seiner Eigenschaft als Weltanschauungsgemeinschaft führt (so auch im oben ausgeführten Urteil des Brandenburgischen Oberlandesgerichts 4 U 84/16), ist, dass der Beschwerdeführer Dogmen ablehnt

Die Vereinsmitglieder „(…) kennen keine Dogmen, sondern überprüfen ihre gefundenen Einstellungen und Festlegungen immer wieder an der sich ändernden Realität und passen sie an, wenn neue Erkenntnisse und Erfahrungen dies erfordern.“ (Satzung KdFSMD § 3, Abs. 2)
....

Dies stellt keine Beliebigkeit des Denkens dar, sondern die permanente Aufforderung, das eigene Denksystem nicht aufgrund von Traditionen oder Gewöhnung für wahr zu halten, sondern die gefundenen Einstellungen und Festlegungen immer wieder anhand der sich ändernden Realität zu überprüfen und an diese anzupassen, wenn neue Erkenntnisse und Erfahrungen das erfordern. Mit anderen Worten genau das, was der Beschwerdeführer in § 3 Abs. 2 seiner Satzung von seinen Vereinsmitgliedern fordert.

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Leider wird der Beschwerdeführer in der Öffentlichkeit immer wieder auf eine Religionsparodie reduziert. Schon das verkennt sein Wirken und seine Ziele – und auch den Inhalt seiner Satzung. Auch dass die Mitglieder des Beschwerdeführers nach der Satzung keine Dogmen kennen sollen, grenzt sie nur von der Religion ab, verhindert aber nicht, dass es sich um eine Weltanschauung handelt. Der Verzicht auf feste Dogmen heißt nämlich nur, dass Wandel und Fortschritt unvermeidbar sind und deshalb willkommen sind, auch wenn sie althergebrachten Denkweisen zuwiderlaufen. Die Ablehnung von dogmatischen unwandelbaren Prinzipien bedeutet indes nicht eine Zuwendung zur Beliebigkeit, sondern zu festen humanistischen Grundsätzen wie den 10 Angeboten des evolutionären Humanismus, nur dass diese eben - im Gegensatz zur Religion – einem Wandel unterliegen können. Es geht bei dem Verzicht auf Dogmen um die Aufforderung, das eigene Denksystem nicht für immerwährend und wahr zu halten, sondern anhand der sich ändernden Realität und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu überprüfen und erforderlichenfalls anzupassen.

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31.08.2017

Das Wort zum Freitag -
Evolutionärer Humanismus ist nur Satire



Das OLG Brandenburg hat uns die Anerkennung als Weltanschauungsgemeinschaft versagt. Ganz wesentlich war dafür ein Teil des §2 unserer Satzung, in dem wir beschreiben, wie wir die Religionssatire des Fliegenden Spaghettimonsters nutzen, um unsere Weltanschauung unter die Leute zu bringen.

Warum es den §3, in dem wir ganz klar unsere verbindlichen Werte beschreiben, nicht berücksichtigt hat, war mir in der mündlichen Verhandlung ein Rätsel. Immerhin steht dort klar und deutlich: "Wertebildung und Umsetzung

(1) Die Vereinsmitglieder richten ihre Ethik an den 8 Am Liebsten Wäre Mirs und den 10 Angeboten des evolutionären Humanismus aus."

Nun, nachdem ich die schriftliche Urteilsbegründung gelesen habe, weiß ich warum. Die haben doch tatsächlich  einen genialen Trick gefunden und den evolutionären Humanismus zur Satire erklärt. So steht es auf Seite 19 der Begründung:

"Mit diesen, der Satire wesenseigenen Mitteln der Übertreibung, Verzerrung und Verfremdung verwendet der klagende Verein auch den Grundlagen religiöser (christlicher) Ethik entlehnte Begriffe wie "10 Angebote" (des evolutionären Humanismus) und "Evangelium" (des Fliegenden Spaghettimonsters).

Auch das "Glaubensbekenntnis" und das gleichfalls offenkundig dem christlichen "Vaterunser" nachgebildete und verfremdete "Monsterunser"....haben eindeutig satirischen Inhalt. "

Stark, oder?

Michael Schmidt-Salomon, der "Schöpfer" der 10 Angebote, muss jetzt also nicht mehr nur als Philosoph, sondern auch als Satiriker gesehen werden. :)

Noch etwas ist mir in der Urteilsbegründung sauer aufgestoßen:

" Dass die Mitglieder des klagenden Vereins "keine Dogmen" kennen und "ihre gefundenen Einstellungen und Festlegungen immer wieder an der sich ändernden Realität" überprüfen und anpassen, "wenn neue Erkenntnisse und Erfahrungen das erfordern", rundet das Bild, dass es dem klagenden Verein an einem Bekenntnis zu einer gemeinsamen Weltanschauung fehlt...ab."

Genau das ist ja das Prinzip des evolutionären Humanismus, dass er nicht ewig und festgefügt ist, sondern sich ständig weiter entwickelt.
Diese Weiterentwicklung soll ein Hindernis sein, um als Weltanschauungsgemeinschaft anerkannt zu werden? 

Nur wer klare Dogmen hat, kommt dafür in Frage?

Es wäre schlimm, wenn das tatsächlich die aktuelle Rechtslage wäre und wenn doch, wäre es höchste Zeit, das zu ändern.

Genau daran arbeiten wir.
Auf zum Bundesverfassungsgericht. 

24.08.2017

Das Wort zum Freitag - Miracoli




Miracolo heißt Wunder auf italienisch. Miracoli ist der davon abgeleitete Name eines Nudelgerichtes, das kinderleicht zuzubereiten ist und ebenfalls aus Italien kommt. So manches Kind machte seine ersten Kochversuche mit diesem Gericht.

Das eigentliche Wunder ist aber, dass fast alle Kinder und auch die Erwachsenen Nudelgerichte zu ihrer Lieblingsspeise erklären. Das kann nur das Fliegende Spaghettimonster eingefädelt haben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Es nicht ganz schuldlos daran sein kann, dass fast alle Menschen Nudeln so gern essen. In jedem Menschen steckt doch irgend wie ein Pirat. Arrrgh

So mancher von uns hat sich schon gefragt, ob jeder, der Pastagerichte verspeist, automatisch Pastafari wird und an das Fliegende Spaghettimonster glaubt. Um Monsters Willen, bitte nicht! Etwas mehr sollte schon mitgebracht werden, um in die Gemeinschaft der Pastafari aufgenommen zu werden. Besonders die Kinder wollen wir da außen vor lassen. In jungen Jahren sind sie sehr empfänglich für Märchen und Phantasiegeschichten. Ihre große Phantasie lässt sie in Scheinwelten eintauchen. Deshalb ist es ja auch so einfach, ihnen mit Weihnachtsmann und Osterhasen zu kommen. Na gut, wenn Erwachsene ihre Kinder mit diesen Geschichten anflunkern, ist das sicher nicht so schlimm. Sobald sie älter werden, erledigt sich das von selbst.

Mit Religionen ist das schon eine andere Nummer. Da werden die Kinder, sobald das Zweifeln einsetzt, nicht aufgeklärt. Wie auch, wenn die Erzieher selbst in ihrer Religion gefangen sind oder nicht negativ in ihrem Umfeld auffallen wollen.

Bei uns Pastafari ist das natürlich nicht so. Ihr wisst ja, wir sollen an allem zweifeln. Monster möge es verhüten, selbst an Ihm. Damit also unsere kleinen Lieblinge nicht in Gewissenskonflikte kommen, dürfen sie selbst entscheiden, ob sie sich den Glauben an das Fliegende Spaghettimonster zu eigen machen wollen oder nicht. Sie werden erst in unseren Verein aufgenommen, wenn sie das 14. Lebensjahr erreicht haben. Natürlich ist es bis dahin nicht verkehrt, sie über die wichtigsten Grundzüge unserer Religion zu unterrichten und altersangepasst auch die 8 ALWMs mit ins Gespräch zu bringen.

Nein, das ist nicht Indoktrination, wie wir sie von anderen Religionen kennen. Jedenfalls nicht, wenn wir den wichtigsten pastafarianischen Grundsatz beherzigen.
Andere Religionen erklären ihre Religion als unumstößlich richtig und jeweils die einzig wahre. Das, die Kinder in ein Korsett zu stecken aus dem sie nur schwer heraus kommen, ist Indoktrination. 

Wenn wir ihnen sagen, sie sollen nicht nur blind vertrauen, sondern selbst denken, sie sollen auch im entsprechenden Alter anfangen, ihre eigene Meinung zu hinterfragen und letztlich an allem zweifeln, wo wäre da ein Korsett? Ganz im Gegenteil, das ist Freiheit.
Die muss dosiert verabreicht werden, denn auch vertrauen können und sich sicher fühlen ist für Kinder wichtig. Aber Freiheit, die letztlich hilft, sich wohl zu fühlen und im Leben zurecht zu kommen.
Lassen wir also unsere Kinder ihre Welt selbst entdecken und lassen wir sie Miracoli kochen, wenn das ihr Wunsch ist. 

17.08.2017

Das Wort zum Freitag - Polizeischutz für Luther II




Von einer Behörde, die auf ihrem Briefkopf ganz groß den Aberglauben feiert, sollte man nicht zu viel erwarten. Diese Antwort auf meine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen einen Wittenberger Polizisten hat mich dann aber doch kräftig erstaunt.

Was ist da los bei der Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau? Wird dort die Post gleich von den Angestellten der Poststelle beantwortet?

Diese Vermutung drängt sich nicht nur auf, weil für den Unterzeichner oder die Unterzeichnerin kein Titel oder Funktion verwendet wird. Sie drängt sich auch auf, weil sie wohl von jemand kommt, der nicht die elementarsten Regeln kennt.

Da gibt es gerade mal drei Sätze als Antwort, schon das ist voll daneben. Dann zeigen diese drei Sätze auch noch klar, der Schreiber bzw. die Schreiberin scheint den Sinn der Dienstaufsichtsbeschwerde nicht zu kennen. Dort geht es nicht nur um Rechtsverstöße, wie Eingriffe in persönliche Rechte:

Mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde kann die Verfahrensweise in einer bestimmten Angelegenheit, aber auch das persönliche Fehlverhalten eines Amtsträgers gerügt werden. Das kann sich beispielsweise in Form einer Beleidigung äußern, durch diskriminierendes Verhalten, durch Schikane, eine unfreundliche Bearbeitung, eine soziale Benachteiligung oder eine Verzögerung der Bearbeitung durch erwiesenermaßen persönliche Gründe.

Wundert es jemand, wenn ich deshalb die obige Antwort als völlig unzureichend empfinde?

Daran ändert sich auch nicht, wenn ich beim Googeln schließlich festgestellt habe, es handelt sich bei dem Unterzeichner wohl tatsächlich um den Skandal-Staatsanwalt Folker Bittmann.

Was also tun?

Zunächst suchen, wer der Dienstvorgesetzte des Oberstaatsanwaltes ist.
Danach an den, in dem Fall ist es die Justitzministerin Sachsen Anhalts Anna-Marie Keding, eine weitere Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Oberstaatsanwalt stellen. 


Mancher wird sich jetzt sagen, da beschäftigt einer wieder mal die Behörden, die eh so viel zu tun und um die Ohren haben. Aber ich bin mir ganz sicher, Frau Keding wird als ausgewiesener Lutherfan volles Verständnis für mich haben, ja, vielleicht sogar ein bisschen stolz sein, wenn auch ich nun sage:

"Hier stehe ich, ich kann nicht anders"

Sehr geehrte Frau Justizministerin,

heute wende ich mich an Sie als Dienstvorgesetzte des Oberstaatsanwalts Dessau-Roßlau Folker Bittmann.

Dieser hat die von mir gestellte und im Anhang befindlichen Dienstaufsichtsbeschwerde gegen einen Kriminalbeamten in einer Weise beantwortet, die mich auf das Tiefste verletzt und schockiert hat.

Offenbar hat er völlig außer Acht gelassen, dass es bei Dienstaufsichtsbeschwerden nicht um die rechtliche Beurteilung von Handlungen geht, sondern um das persönliche Fehlverhalten von Beamten, um diskriminierendes Verhalten, Schikane und unfreundliche Behandlung. Auf diese Aspekte, die ich alle im Verhalten des Kriminalbeamten sah, ist Folker Bittmann in keiner Weise eingegangen.

Des weiteren hat er im Brief seine Funktion nicht, wie üblich, unter der Unterschrift angefügt. Erst durch Internetsuche konnte ich feststellen, hier war nicht nur ein Beamter aus der Poststelle am Werk.

Die gesamte Art der Antwort zeigt, hier wurde nicht erfasst, dass ein völlig zu Unrecht beschuldigter Bürger sich diskriminiert, schikaniert und mehr als unfreundlich behandelt fühlt. Sie hinterlässt eher den Eindruck, da soll jemand abgewimmelt werden, der als missliebiger Störenfried wahrgenommen wird.

Ich bitte Sie um Verständnis, wenn ich dieses Verhalten einfach nicht hinnehmen kann. Wie Luther bleibt mir nur zu sagen:
Hier stehe ich, ich kann nicht anders.

In Erwartung Ihrer Antwort verbleibe ich 

mit nudligen Grüßen



Rüdiger Weida
Vors. Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e.V.

11.08.2017

Das Wort zum Freitag -
Eine Hochzeit, zwei öffentliche Fälle und eine Predigt



So wie oben könnte man knapp das Pastafaritreffen in Ingolstadt und Geisenfeld beschreiben. Der Bund für Geistesfreiheit hatte uns eingeladen, und wir haben gern angenommen. Bayern ist unser mitgliederstärkstes Bundesland, und so schien es angebracht, unser Treffen auch mal dort durchzuführen. Am Ende waren dann aber doch die Mehrzahl der Teilnehmer von außerhalb. Schade, Bayern.

Die Stimmung war aber grandios. Das zeigte sich schon beim Vortrag "Das Fliegenden Spaghettimonster als gesellschaftlicher Akteuer" von Daniela Wakonigg am Sonnabendnachmittag. Die Werbung hatte funktioniert, der Raum war voll und die zwanzig mitgebrachten Bücher ihres gerade zum Thema erschienen Buches konnten den Bedarf nicht decken. Schade, dass es davon keine Bilder gibt. Falls jemand von euch welche hat, immer her damit, die werden noch nachträglich eingestellt. Alle Bilder hier sind von Daniela und Sebastian Schmidt, aber es hatten auch andere ihre Knipsen mit.

Nach dem Vortrag ging es nach Geisenfeld. Dort erwartete uns eine super vorbereitete Gartenparty. Ein würdiger Rahmen für die Hochzeit von Bruder Smutje und Frau Mahlzahn. Die Hochzeitstorte, die nicht nur phantastisch aus sah sondern auch genau so schmeckte, hatte der Smutje selbst kreiert. 




Geleitet von den Trauzeugen zog das Paar ein und war sichtlich gut drauf.



Beim Ehefähigkeitstest, bei dem der Bräutigam sein Spaghetti in die Penne der Braut einführt und übernimmt,  wurde aber leicht geschummelt. Na, macht man ja sonst auch mal.


Letztlich hat dann aber doch alles geklappt.......



...und dem Kuss, der genau so lang sein sollte, wie das Lied, das dabei gespielt wurde, besiegelte die Ehe.



Nach dem Abschlussbild wurde dann die Torte angeschnitten. Lecker......

Nach diesem ersten Höhepunkt des Abends gab es dann den zweiten, Eriks Feuershow. Die Massen waren begeistert und es gab gleich Anfragen, wie man die buchen kann. Leider fehlt uns auch hier ein Foto.

Am nächsten Morgen hatten wir eine Demo angemeldet. Die startete vor der größten Moschee Bayerns. Wir wurden von zwei Polizisten begrüßt, die ziemlich gut drauf waren. Als ein paar Leute aus der Moschee kamen und wohl gucken wollten, was da passiert, wurden sie aufgeklärt. Das muss die Polizei ziemlich gut hin bekommen haben, denn vereinzelt wurde uns danach sogar zugewinkt.




Im Schutz des Polizeiautos, das uns auf der Straße sicherte, ging es weiter. Unterwegs gab es einige Reaktionen, alle positiv. Mal rannte jemand hinter uns her und wollte unbedingt ein Foto machen, mal verbeugte sich jemand, der uns fotografierte, anschließend vor uns. Es schlossen sich Leute an und vor St. Moritz, dem zweiten Hort des Aberglaubens, für den wir vom Monster Erleuchtung erbaten, waren wir schon ein paar Leute mehr.


Am Ende waren wohl knapp zwanzig Leute dabei und etwa genau so viel kamen auf dem Rathausplatz noch einmal dazu.





Die Nudelmesse dort hielt unser neuer stellvertretender Vorsitzender, Erik Eliche.





Nur beim heiligen Abendmahl half auch Bruder Spaghettus mit, sonst wäre das einfach zu lang geworden. Der hielt dann zum Abschluss der Messe auch die Predigt.


Die ging so:

Ich weiß, liebe Brüder und Schwestern, was ihr gerade am dringensten von mir wissen wollt:

Wie geht es weiter im Kampf um die Nudelmessenhinweisschilder in Templin.
Viel ist da doch ziemlich falsch in den Medien rüber gekommen, wohl auf Grund einer nicht wirklich stimmigen dpa-Meldung. 

Deshalb gleich zu erst: Nein, das Gericht hat nicht entschieden, dass die Nudelmessenhinweisschilder weg müssen. Es hat nur entschieden, es gibt keinen gültigen Vertrag zwischen dem Landesbetrieb Straßenwesen und uns, dass wir eigene Masten für sie bekommen.

Der hatte den nämlich einseitig gekündigt. Das aber war nur möglich, wenn etwas im Vertrag nicht stimmig war. In dem Fall war es der Zweifel, ob wir eine Weltanschauungsgemeinschaft sind oder nicht. Das Gericht hat uns diesen Status nicht zuerkannt, also war die Kündigung berechtigt, meint jedenfalls das Gericht. 

Wir sehen das anders. Wir sind überzeugt das Gericht lag falsch, in dem es sich bei der Aussage nur auf einen ganz konkreten Teil des eines Absatz 1 des Paragraphen 2 unserer Satzung bezogen hat, in dem es um das Fliegende Spaghettimonster geht. 
In diesem Abschnitt wurde aber nicht das Vereinsziel an sich beschrieben, sondern nur, wie wir das Spaghettimonster zum Erreichen eben dieses Zieles nutzen. Das sollte eigentlich völlig klar sein, wenn man den ganzen Paragraphen im Zusammenhang liest:

§ 2 Zweck, Gemeinnützigkeit
(1) Der Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnitts „Steuerbegünstigte Zwecke“ der Abgabenordnung. Zweck des Vereins ist die Förderung von
 -   religiösen Zwecken in ihrer Gleichbehandlung mit wissenschaftlich orientierten Weltanschauungen und einem besonderen Schwerpunkt auf dem evolutionären Humanismus der Giordano Bruno Stiftung. 
In diesem Sinn verstehen wir uns als Weltanschauungsgemeinschaft.
 -      Bildung und Erziehung 
 - Kunst und Kultur.                   

Die Religionssatire des Fliegenden Spaghettimonsters wird als künstlerisches Mittel genutzt, um in satiretypischer Art intolerante und dogmatische Anschauungen und Handlungen zu überhöhen und zu hinterfragen. Damit fördert der Verein die Verbreitung einer offenen und toleranten Ethik im Sinne des evolutionären Humanismus und wirkt so an der öffentlichen Meinungsbildung mit. Als Mittel zur Verfolgung dieser Ziele nutzt der Verein beispielsweise die Veranstaltung und Teilnahme an öffentlichen Versammlungen, die Bereitstellung und Verteilung von Informationsmaterial, die Veranstaltung von Messen, sowie die Teilhabe an sozialen Netzwerken. Weiterhin soll die Öffentlichkeit durch den Betrieb einer Internetseite bzw. eines Blogs sowie durch Präsenz in den  Massenmedien erreicht und so die öffentliche Diskussion um weltanschauliche und Wertefragen im Sinn von Humanismus und Aufklärung bereichert werden.

Das Gericht hat weiterhin bemängelt, dass wir keine gemeinsamen Werte aus einer Weltanschauung ableiten. Hat es nicht bis zum § 3 weiter gelesen oder unterstellt es allen unseren Vereinsmitgliedern, sie würden durchweg gegen die Satzung verstoßen?

Dort heißt es 

§ 3 Wertebildung und Umsetzung
(1) Die Vereinsmitglieder richten ihre Ethik an den 8 Am Liebsten Wäre Mirs und den 10 Angeboten des evolutionären Humanismus aus. 

(2) Sie kennen keine Dogmen, sondern überprüfen ihre gefundenen Einstellungen und Festlegungen immer wieder an der sich ändernden Realität und passen sie an, wenn neue Erkenntnisse und Erfahrungen das erfordern. 

Der evolutionäre Humanismus beinhaltet einen klaren Naturalismus und bietet somit eine umfassende Erklärung der Welt, wie es für eine Weltanschauung typisch ist. 

So ist dann auch auf unserer Website unter „Weltliches“ zu lesen:

„Wir in der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e.V. haben uns deshalb entschieden, die Verbreitung einer offenen und toleranten Ethik zu fördern und dabei auf wissenschaftliche Weltanschauungen, wie den evolutionären Humanismus, zu setzen. Wir vertreten und verbreiten einen konsequenten Naturalismus. Das heißt, auf der Welt geht alles natürlich zu, da sind keine Feen, Elfen, Götter, Wichtelmänner, Trolle oder ähnliche Märchenfiguren. Die Welt wurde nicht erschaffen, sondern entstand, und lässt sich wissenschaftlich erklären.
Dabei haben wir keine Angst, nie zur vollen Erkenntnis zu gelangen. Wir sollen ja sowieso an allem zweifeln, von da bis zum nicht alles wissen können ist kein großer Unterschied.

So verstehen wir uns denn auch als Weltanschauungsgmeinschaft.“

In Deutschland gibt es etwas 15.000 bis 20.000 Pastafari. Nur etwa 300 sind in unserem Verein. Für mich ein klares Indiz, es sind wirklich nur die eingetreten, die auch zu unserer Satzung stehen. 
Mal ganz abgesehen davon, dass sich jeder beim Beitritt sowieso dazu verpflichtet. 
Wir sind deshalb weiter davon überzeugt, wir verstehen uns völlig zu Recht als Weltanschauungsgemeinschaft. Wir sind weiterhin völlig überzeugt, diese Ansicht wird auch gerichtlich bestätigt werden. Das Urteil des OLG Brandenburg ist ein klares Fehlurteil. 

Deshalb, liebe Schwestern und Brüder, tapfere Piraten und Freibeuterinnen, werden wir als nächstes beim Bundesgerichtshof eine Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision durch das OLG einlegen. 

Führt das nicht zum Erfolg, werden wir das Bundesverfassunggericht anrufen. 

Der Kampf geht weiter, wenn es sein muss, auch bis nach Luxemburg. 

RAmen