15.01.2015

Das Wort zum Freitag - Herr Vedder und die Toleranz



Der Gemeindereferent der Katholischen Kirche Templins hatte uns nicht nur im auf rbb als bösartigen Karnevalsverein verleumdet, den gleichen Ton hatten Mails an mich und zwei Leserbriefe von ihm, die Mitte Dezember in der Templiner Zeitung veröffentlich wurden.

Dort heißt es im ersten unter dem Titel "Verhöhnung christlicher Werte geht zu weit" u.a.

"Ich möchte nicht, dass in unserem toleranten Brandenburg plötzlich wieder jemand behauptet, die Weisheit mit den "Spaghetti"-Löffeln gegessen zu haben. Wir haben die Meinungsfreiheit, aber auch das Recht, das nicht auf unseren religiösen Gefühlen herumgetrampelt wird"

Im nächsten, betitelt "Zynismus wird in Hohn und Spott enden" schildert er die schrecklichen Folgen, die unsere Nudelmessenhinweisschilder angeblich für Templin hätten. Er wirft uns Rassismus vor und meint: "Das Fliegende Spaghettimonster steht exakt für das Gegenteil von Toleranz." und schließt später "Die Folgen dieser Kampagne werden wir alle zu tragen haben. Noch ist es nicht zu spät"

Wozu, Herr Vedder?


Mein als Gegendarstellung gedachter Leserbrief wurde, wie üblich gekürzt, gestern veröffentlicht. Erst meine Nachfragen beim Chefredakteur hatten dazu geführt.
Hier ist er in voller Länge:



Der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e.V. ist eine
anerkannte gemeinnützige Körperschaft. Auch wenn uns ein führender
Religionswissenschaftler im rbb bescheinigt hat, Religionsgemeinschaft zu sein, wir verstehen uns eher als Weltanschauungsgemeinschaft. Als eine, die gemeinsame Ideale, Riten und Traditionen entwickelt und pflegt. Dabei greifen wir zurück auf die Werte von Aufklärung und Humanismus. Werte, die oft unter großem persönlichem Einsatz gegen den Widerstand der Kirchen erkämpft werden mussten, Werte wie Gleichberechtigung, Toleranz, Selbstbestimmung, Menschenwürde. Werte, auf denen unser Gundgesetzt beruht, Werte, die Basis unserer heutigen offenen Gesellschaft sind und von denen die Kirchen nun, nachdem sie sich gesellschaftlich durchgesetzt haben, gern behaupten, das wäre ihr Verdienst.

Wenn wir jetzt unsere regelmäßigen Veranstaltungen genau so ankündigen
wie Religionsgemeinschaften, entspricht das nur dem geltenden Recht.
2008 wurde die entsprechende Regelung, die bis dahin nur der evangelischen und katholischen Kirche solche Hinweisschilder erlaubte, mit dem erklärtem Ziel geändert, mehr Gleichberechtigung zwischen Religions- und Weltanschauungs-gemeinschaften zu schaffen. Deshalb kann jetzt jede von diesen eigene Schilder aufstellen.

Was jetzt in Templin geschehen ist, ist also nur ein Stück Normalität.
Das mögen die nicht so empfinden, die da bisher ein alleiniges Privileg hatten, was jedoch nichts an dieser Tatsache ändert.

Es mutet grotesk an, wenn der katholische Gemeindereferent Vedder nun
den Untergang des Abendlandes oder zumindest Templins beschwört.
Geradezu Verleumdung ist es, wenn er unseren Verein als böse und exaktes
Gegenteil der Toleranz beschreibt. Zur Erinnerung, wir haben jahrelang
die Schilder seiner Kirche toleriert, mit denen die zu Veranstaltungen einlädt, auf denen nach ihrem Eigenverständnis Fleisch und Blut eines vergöttlichten Menschen zu sich genommen werden. Wir nehmen nur Bier und Pasta zu uns und doch wurden unsere Schilder nach nur drei Tagen beschmiert und durchkreuzt.

Deutschland und die Welt lacht auch nicht über Templin. Im Gegenteil, das hat sich Ansehen verschafft. In den sozialen Netzwerken wurde sogar geunkt, der ganze Schilderstreit wäre nur eine clevere Marketingidee gewesen, um Templin bekannt und attraktiver zu machen. Gelacht wurde nur über zwei Templiner Kirchen. Daran sind aber nicht andere schuld, sondern allein das Verhalten ihrer Vertreter in den Medien und vor Ort. 


Was aber weder Templin noch die Welt untergehen lassen wird.

Rüdiger Weida
Vorsitzender KdFSMD e.V.


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