05.06.2014

Das Wort zum Freitag - Vom Mut, sich einzubringen



Gut, der Titel ist vielleicht etwas hoch gegriffen. Sich einzubringen macht, jedenfalls uns Pastafari, ja vor allem Spaß. Aber für den einen und die andere gehört vielleicht doch etwas Mut dazu, sich ihrer Umwelt als monstergläubiger Mensch zu outen. Für die habe ich die Predigt geschrieben, die ich zum Humanistentag in Regensburg bei unserer Nudelmesse dort gehalten habe und die ihr unten nachlesen könnt. 

Schön  war es dort. Alles eine Nummer kleiner als in Dresden und Hamburg, aber dafür auch familiärer. Man kannte sich oder man lernte sich schnell kennen. Auch der Kontakt zwischen Vortragenden und Publikum war, so fand ich, dadurch intensiver. Kurz, was die kleine Truppe vom dortigen bfg um Erwin Schmid auf die Beine gestellt hatte, war klein aber fein. 

Natürlich hat der BR als Lokalsender nur vom gleichzeitig stattfindenden Katholikentag berichtet. Wohl erst als sich verschiedene Leute beschwert hatten, dass vom Humanistentag gar nichts kam, wurde dann doch ein Reporter  vorbeigeschickt. Der kam gerade kurz vor Ende der Nudelmesse und wollte erst mal von mir wissen, ob das ein Theaterstück wäre. Obwohl ich ihn natürlich sofort aufgeklärt habe, kam es dann doch zum Eklat. Völlig respektlos verletzte er unsere religiösen Gefühle als er das Gewand des Nudlers als das eines Pizzabäckers bezeichnete. 

Natürlich habe ich heftig protestiert. So heftig, dass das Interview wohl nicht gesendet wurde. Glücklicher Weise aber hat es F.W. Neumeyer teilweise mitgeschnitten und uns, genau wie einige Bilder, zur Verfügung gestellt.







Predigt
Manchmal, liebe Brüder und Schwestern, liebe Freibeuterinnen und Korsaren, und auch ihr Ungläubigen dort im Saal, manchmal gibt es Momente, die nicht nur für einen, sondern für viele oder gar alle etwas verändern. Stefan Zweig hat solche in seinen „Sternstunden der Menschheit“ geschildert. Große Momente von großen Menschen.

Aber auch wir, die nur mit einfachem Nudelwasser getauft wurden, wir vielen können uns unsere kleinen Momente schaffen, wenn wir uns gegen Unrecht wehren. Und Unrecht ist es zweifellos, wenn manche Bürger unseres Staates und ihre Organisationen Rechte haben, die nicht allen zustehen.

Gut, ich sehe es ein, es geht nicht, allen Kirchen so viel Geld zukommen zu lassen, so viele Sitze in Rundfunkräten und Jugendhilfeausschüssen einzuräumen und soviel Personal- und Sachkosten zu erstatten wie den Katholiken. Auch nicht so viel Geld wie für einen Kirchentag, bei dem diese versuchen wollen, mit Christus Brücken zu bauen. Sinnlos rausgeworfenes Geld, weiß doch jeder, auf Sand gebaute Brücken stürzen ein.

Ich sehe auch ein, wirkliche Gleichberechtigung ist nicht, wenn alle irgendwelche Privilegien haben, sondern nur und ausschließlich, wenn keiner mehr welche hat. Aber bis es so weit ist, sollte man schon versuchen, geltende Sonderrechte auch für sich in Anspruch zu nehmen. Man darf sich nur nicht dran gewöhnen und für immer behalten wollen.

So habe ich dann auch bei der Stadt Templin einen neuen Personalausweis mit piratiger Kopfbedeckung beantragt. Ihr wisst ja, wir sind verpflichtet als Piraten die Erderwärmung zu stoppen.

Es hat mich nicht überrascht, dass dieser Antrag abgelehnt wurde, es hat mich auch nicht überrascht, dass bei dieser Ablehnung nur geprüft wurde, ob wir eine Religionsgemeinschaft sind oder nicht.
Aber, wie an den Reaktionen deutlich zu merken war, die Stadt hat es überrascht dass ich deshalb Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht habe.

Klagegrund: Die Stadt hätte prüfen müssen, ob mir nicht auch als Anhänger einer Weltanschauungsgemeinschaft dieses Recht zusteht. Schließlich sind lt. Grundgesetz beide völlig gleichberechtigt und wir von der KdFSM verstehen und als Weltanschauungsgemeinschaft. In unserem Satzungsziel heißt es:

„Zweck des Vereins ist die Förderung von religiösen Zwecken in ihrer Gleichbehandlung mit wissenschaftlich orientierten Weltanschauungen, bei einem besonderem Schwerpunkt auf dem evolutionären Humanismus der Giordano Bruno Stiftung.
In diesem Sinn verstehen wir uns als Weltanschauungsgemeinschaft.“

Weil so eine Klage Geld kostet, haben wir eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Viele haben gespendet, nicht nur Pastafari. Sogar Christen, denn auch unter ihnen gibt es welche, denen die Sonderrechte der Kirchen nicht passen und die deshalb unseren Kampf um weltanschauliche Gleichberechtigung unterstützen. Das es darum, und nicht nur um einen lustigen Gag geht, haben wohl alle verstanden und so haben wir es tatsächlich geschafft, die für die erste Instanz veranschlagte Summe zusammen zu bekommen.

Ich habe euch diese Geschichte also nicht erzählt, weil wir noch Spenden brauchen, obwohl auch die natürlich willkommen sind und es ganz sicher nicht bei der ersten Instanz bleiben wird. Ich habe die Geschichte erzählt um euch Mut zu machen.

Wenn viele von uns anfangen, sich zu wehren, werden auch sie Unterstützung bekommen. Wir werden immer mehr werden und so können wir gemeinsam genau so etwas Großes erreichen wie die Helden in Stefan Zweigs Buch.

Deshalb bitte ich euch, wehrt euch, jeder an seinem Fleck, wenn ihr auf solche oder ähnliche Ungerechtigkeiten stoßt. Selbst wenn ihr nicht sofort erfolgreich seid, die Behörden mussten arbeiten und erkennen, die Welt ändert sich und letztlich werden wir gemeinsam schaffen, dass die Menschen nicht mehr über auf Sand gebaute Brücken in die Irre geführt werden.

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