09.05.2013

Das Wort zum Freitag - Pastafari, Nudelmesse und atheistische Spiritualität

Heute, liebe Gemeinde, habe ich es ganz einfach. Heute brauche ich nur ein Video einstellen, für das ich mich bei Frank, der es aufgenommen und erstellt hat, herzlich bedanke. Es ist ein Mitschnitt einer Nudelmesse, die wir gerade am 04.05.2013 auf dem Humanistentag in den Fliegenden Bauten Hamburg vor über 200 Zuschauern gehalten haben. Über 20 von ihnen kamen zu uns auf die Bühne um das Glaubensbekenntnis abzulegen und so Pastafari zu werden. Natürlich gabs auch wieder ein Abendmahl und erstmalig einen Pastafarichor, die Anonymen Arabiata. Zum Schluss wie immer eine Predigt ans Volk.

Mein Manuskript der Predigt gibt`s für alle, die vielleicht  nachlesen möchten, hier noch mal schriftlich. Wobei schon das eine oder andere Wort auf der Bühne anders kam.




Predigt

Wir sind, hochverehrtes Publikum, reingelegt wurden. Wir dachten, wir halten hier zum Kirchentag einen Feierliche Messe vor Gläubigen, und nun haben wir erfahren, wir haben es hier nur mit verstockten Atheisten zu tun. Mit solchen, die sich unter dem Motto „Gut ohne Gott“ hier versammelt haben, mit solchen, die behaupten, eine Gesellschaft bräuchte keine Religion.
Wir sehen das natürlich anders. Die Vorzüge unseres Pastafaritums habe ich bereits ausführlich geschildert. Aber wir erkennen auch die Bedeutung anderer Religionen und ihrer Institutionen für die Gesellschaft an und würdigen diese ausdrücklich.

So sehen wir auch eine große Zukunft für den Zentralrat der Juden: als Trägerverein für ein Museum für vormittelalterliche Operationsmethoden.
Eine ebenso glanzvolle Zukunft winkt der katholischen Kirche: als Trachtenverein bei der Durchführung von Karnevalsumzügen.
Niemand könnte besser als der Zentralrat der Muslime als Kulturverein die Kultur des Beleidigtseins pflegen und
die evangelischen Kirchen könnten, wie kein anderer, mit Bezug auf ihren Gründungsvater als Historienvereine Ursachenforschung für die unsäglichen weltweiten Judenverfolgungen und Hexenverbrennungen leisten, auch wenn andere das schon vor Luthers wegweisenden Worten gut beherrschten.
Ihr dort im Saal aber habt euch das Motto gewählt „Gut ohne Gott, auf den Menschen kommt es an.“ 

Deshalb habe ich gestern nicht schlecht gestaunt, als es in einem Vortrag um Spiritualität ging. Zwar um religionsfreie, aber immerhin um Spiritualität.

Nun möchte ich euch Ungläubigen ja nicht absprechen, in ganz besonderen Momenten auch ganz besondere Gefühle zu haben. Aber wenn ihr die beschreiben wollt, warum dann dazu der Rückgriff auf Spiritualität, auf eieinen Begriff also, den jeder mit uns Religiösen verbindet?

Ist Unglaube doch auch nur ein Glaube? 
Manchmal könnte man das glatt denken.

Wenn zum Bespiel mal wieder einer von euch mit einer Überzeugung und ohne jeden Zweifel zu erlauben, seine Meinung zur allein seeligmachenden erhebt,
wenn er ganz eindeutig klar stellt, nur sein Weg ist der einzig wahre, kein anderer zulässig und wer trotzdem versucht, einen zu gehen, wird bestraft.
So wie Dr. Horst Groschopp, der Expräsident des HVD, es neulich tat als er verkündete:

Erneut „verloren“ hat eine strategische Stoßrichtung, die, von einem „säkularen Humanismus“ ausgehend, sich gegen Religion schlechthin wendet. Wenn in allen wichtigen Fragen gesellschaftlicher Entwicklung nirgends die „Gottesfrage“ eine größere Bedeutung besitzt, kann keinen so üppigen Erfolg haben, wer den „falschen Eindruck“ erweckt, die alten Kirchenkämpfe zu führen, und damit Vorurteile bedient, wenn auch nicht beabsichtigt, wenn ein „Humanistentag“ parallel zu einem Kirchentag inszeniert wird. Da hilft nicht viel zu dementieren, man hätte irgendetwas mit „religionsfreien Zonen“ zu tun."

Vielleicht tue ich ihm ja auch Unrecht, und es geht ihm gar nicht darum, religiöser Führer zu sein.
Vielleicht will er nur jemand ins Abseits drängen, der, anders als der HVD, nicht die Kirchenprivilegien für sich nutzen, sondern sie abschaffen will.
Ich frage mich da, warum diese Grabenkämpfe? Warum nicht einfach beide Wege als richtige Wege akzeptieren?
Naja, uns Religiösen kanns nur recht sein. 
Vielleicht habe ich aber auch ganz einfach den feinen Humor von Dr. Horst Groschopp nicht erkannt, und er wollte nur in satirischer Art das Verhalten von religiösen Führern aufs Korn nehmen. Dann entschuldige ich mich hiermit bei ihm und rufe ihm zu:

Komm zu uns Horst, du bist ein würdiger Pastafari. (Biereluja)
Vielleicht tut er das ja wirklich. Vielleicht auch noch der Eine oder die Andere von euch. Denn als Gläubiger hat man es einfach einfacher.

Schon allein an den Erklärungsaufwand, den man spart. Man braucht nichts begründen, es genügt zu sagen: So steht es geschrieben.
Von euch erwartet jeder, dass ihr erklärt, warum man auch ohne Gott gut sein kann. Wir haben es einfacher. Niemand bezweifelt, dass man mit Gott gut sein kann.
Na ja, manmal vielleicht ein kleines Bisschen, so, wie euer Steven Weinberg, der erklärt:
„Religion ist eine Beleidigung der Menschenwürde. Mit oder ohne sie würden gute Menschen Gutes tun und böse Menschen Böses. Aber damit gute Menschen Böses tun, bedarf es der Religion.“

Ich muss zugeben, da ist was dran. Aber ganz so sehe ich es doch nicht.

Es ist nicht die Religion an sich. Es sind die Dogmen und, ganz besonders, der Anspruch der alleinigen Wahrheit und Rechtmäßigkeit, der dazu führt, andere nicht mehr als Mitmenschen, sondern als Feinde zu sehen.
Egal ob in einer Religion oder sonst einer Ideologie, so wird der natürliche Altruismus ausgeschaltet und auch gute Menschen werden fähig, Böses zu tun.
Deshalb sind wir Pastafari so stolz darauf, weder Dogmen zu kennen noch unseren Weg als den einzig wahren und rechtmäßigen zu sehen.

Wie flauschig unsere Ethik ist, könnt ihr gleich in dem Schlusstitel unserer CD, einem wundervollen Chilout hören, während wir jetzt von der Bühne gehen.
Ich bin sicher, die 8 Am Liebsten Wäre Mirs unseres geliebten Monsters werden auch euch überzeugen. 
Deshalb rufe ich euch noch mal zu:

Kommt zu uns, und wenn doch nicht, dann kauft wenigsten unsere CD. Für nur 5,- Euro kann sich das wirklich jeder leisten. (Biereluja)

Ich bedanke mich bei euch für eure Geduld und wünsche euch noch viel Spaß und Erkenntnis bei den folgenden Veranstaltungen.
Auch im Namen von 


Schwester Elli Spirelli
Schwester Farfallina Carbonara
Bruder Gorgonzola
und den Anonymen Arabiata.


Ich war und bleibe 

Euer Bruder Spaghettus.




1 Kommentar:

  1. Danke Frank für das schöne Video. Wenn man selbst auf der Bühne steht, hat man nicht wirklich den Überblick, wie die Sache gelaufen ist. Jezt, wo ich ihn dank dir habe, bin ich begeistet. Danke auch an das Internet, denn nur so war es möglich, alle erforderlichen Absprachen zu treffen, damit die Sache auch ohne Probe ein Erfolg wird. ;) Dank sage ich auch allen, die mit uns die Nudelmesse gestalteten und empfingen. Ihr wart ein tolles Team mit dem ich die Sache jederzeit wiederholen würde. Ihr alle seid wahre Pastafari. Eure Elli

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