21.03.2013

Das Wort zum Freitag - Die Gretchenfrage und Sven Speers Antworten

Foto: Jürgen Matern
Manchmal, liebe Schwestern und Brüder, stolpert man über alte Dinge und plötzlich wird wieder etwas interessant, was man schon längst vergessen hat. 


So ging es mir heute als ich in meinem Mailordner auf Mails von Sven Speer gestoßen bin. Der betrieb damals als  Doktorand an derGraduiertenschule des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ einen Blog zur Religionspolitik.
Als ich, neugierig durch die gefundenen Mails, die Diskussion nachlesen wollte, stellte ich fest,  den gibts nicht mehr

Das könnte einfach an einer Umstrukturierung liegen. Aber auch gut möglich, das hängt mit seinem jetzigen Job als Wissenschaftlicher Mitarbeiter für Serkan Tören, Mitglied des Bundestages für die FDP, zusammen. 

Um so interessanter sind wohl die Antworten Sven Speers in unserer Diskussion. Natürlich wäre es besser, die ganze Diskussion zu haben. Da aber der Blog gelöscht wurde und die Emailbenachrichtigungen nur Sven Speers Beiträge enthalten, nicht aber meine, ist das nicht mehr möglich. 

Grundsätzlich ging es darum, dass Sven Speer die Finanzierung der Kirchen durch den Staat auch in der damaligen Höhe verteidigt hat. 

Meine Haltung dazu war und ist, Gleichberechtigung der Weltanschauungen kann es nur auf dem Nullniveau geben, da der Staat unmöglich für alle Gruppen solche Finanzierung leisten kann. Auf Mitgliederzahlen, z.B. der Kirchen und humanistischer Vereine, abzustellen, ist nicht möglich, da die Eintrittsvoraussetzungen (Zwangstaufe) völlig andere sind.  

Ich hoffe, das reicht, um euch den roten Faden finden zu lassen. Da Sven Speer jetzt einen Bundestagsabgeordneten berät, sind seinen Aussagen sicher interessant.


29.06.2010
Verehrter Bruder Spaghettus,

ich möchte keiner Religion oder Institution "besondere Rechte und Förderung im Vergleich zu anderen Weltanschauungen/Religionen einräumen". Was ich fordere, ist eine Gleichbehandlung in der Förderung. Dass bspw. immer wieder weltanschauliche Schulen von Humanisten durch die Politik blockiert werden, halte ich für eine schreiende Ungerechtigkeit.

Über die Förderungswürdigkeit im Einzelnen soll meines Erachtens nicht die Politik entscheiden (wie im Falle von Konkordaten und Verträgen), sondern die Gerichte müssen entscheiden, welche Gemeinschaften sich im politisch gesetzten allgemeinen Rahmen für eine staatliche Förderung qualifizieren.

Ihr Gottesdienst (http://www.youtube.com/watch?v=idno6_SaWaM) hat mich aufgrund seiner Würde und Lockerheit sehr beeindruckt. Zwar wird die Kirche des Fliegenden Spaghetti-Monsters nicht meine geistige Heimat. Aber ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg - auch bei der staatlichen Anerkennung.

30.06.2010

Die finanzielle Förderung insgesamt einfach aufzustocken, halte ich genau wie Sie nicht für leistbar. Die Staatsleistungen sind kontinuierlich gestiegen sind (meist analog zur Beamtenbesoldung), gleichzeitig aber sind immer weniger Menschen Mitglied in einer Kirche. Immer mehr Geld für immer weniger Menschen ist nicht gerecht. Die finanzielle Förderung von Religionen und Weltanschauungen muss auf Grundlage der Anhängerzahl erfolgen. Daher muss umverteilt und bei den großen Kirchen gekürzt werden.

Das kirchliche Arbeitsrecht ist eine sehr harte Nuss. In der Frage bin ich noch zu keiner Meinung gekommen. Probleme sehe ich sowohl bei der bisherigen Praxis als auch bei einer vollkommenen Abschaffung von Tendenzbetrieben im konfessionellen Bereich.

In den Medienräten sind die großen Kirchen zurecht vertreten. Die Frage ist aber, ob sie und ihnen nahe stehende Organisationen insgesamt so stark vertreten sein sollten. Nicht vergessen dürfen wir dabei, dass auch die Vertreter kirchennaher Einrichtungen nicht alle einer Meinung sind. Mehr Vielfalt täte aber sicher gut.

01.07.2010

Auch in meinen Augen sind die Kirchen kein Hort besonderer (!) Moral. In meinen Augen darf der Staat aber nicht zu eng festlegen, was moralisch ist. Daher müssen die Kirchen als größte Organisationen im religiös-weltanschaulichen Bereich in Gremien wie den Medienräten und dem Jugendschutz vertreten sein. Gleichzeitig dürfen sie diese Räte aber nicht monopolisieren. Hier muss eine Vielfalt gehört werden, weil der Staat nicht einseitig Partei ergreifen darf.

Die Abgrenzung von den kirchlichen Einrichtungen zum Tendenzschutz war mir vorher nicht so klar. Danke für die Aufklärung. Aber wie gesagt, in dem Punkt bin ich noch zu keiner abschließenden Meinung gekommen. 

02.07.2010
Dass ein Drittel der deutschen Bevölkerung konfessionsfrei ist, weiß ich nicht nur, ich sage das sogar bei fast jeder Gelegenheit. ;)

Die Kirchen und manch andere Organisationen haben häufig geborene Sitze in Ausschüssen, ja. Den Konfessionsfreien fehlen solche Sitze, weil sie nicht organisiert sind - was jedem freistünde zu tun. Konfessionsfreie sitzen aber in vielen Gremien, nämlich als Vertreter verschiedener gesellschaftlicher und politischer Gruppen.

Bei den hohen Austrittszahlen der großen Kirchen kann in meinen Augen aber keine Rede davon sein, dass das Gros der Mitglieder nur durch Zwang in diesen Kirchen gehalten werden. Die Arbeitsverhältnisse in der Wohlfahrt klammere ich dabei einmal aus.

06.07.2010
Wer nicht organisiert ist, kann nicht gefördert werden wie diejenigen, die organisiert sind. Die meisten Organisationen der Konfessionsfreien, Säkularen, Atheisten, Humanisten und so weiter streben gar keine politische Förderung an, sondern wollen eine Trennung von Staat und Religion (und damit auch von säkularen Weltanschauungen). Ich hingegen bin für ihre politische Unterstützung.

Vergessen dürfen wir nicht, dass Konfessionsfreie nicht selten sehr gut organisiert sind - nur halt nicht in religiösen oder weltanschaulichen Vereinigungen, sondern in Hospizvereinen, in Kleingärten, bei amnesty, im Gesangverein und so weiter. Und solche Vereinigungen werden sehr häufig vom Staat unterstützt.

Die vermeintliche Integration des Islam verläuft derzeit tatsächlich aus der Perspektive der Problemlösung heraus. In den Diskussionen um die islamische Theologie und den islamischen Religionsunterricht wird dies sehr deutlich. Eine Integration auf Augenhöhe ist meines Erachtens notwendig. 

Kommentare:

  1. Sehr geehrter Bruder Spaghettus,

    Ihr Beitrag hat mich sehr gefreut. Meine alte Homepage ist tatsächlich nicht mehr online. Allerdings hat dies nichts mit meiner neuen Tätigkeit im Deutschen Bundestag zu tun. Vor zwei Jahren habe ich mit einigen Mitstreitern das Forum Offene Religionspolitik e.V. gegründet. In diesem Zuge ist auch die neue Homepage online gegangen: www.offene-religionspolitik.de. Dort finden Sie Positionen von mir und anderen. Es würde mich freuen, wenn wir auch dort miteinander ins Gespräch kämen.

    Beste Grüße
    Sven Speer

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  2. Hallo Herr Speer,

    danke für Ihre aufklärende Antwort und die Einladung zu weiteren Diskussionen auf der neuen Seite.

    Ich werde dort sicher immer einmal wieder nachsehen, ob gerade ein auch für mich interessantes Thema ansteht und mich in dem Fall beteiligen.

    Nudligst
    Bruder Spaghettus

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