20.03.2012

NeunBeere,
die Piratenpartei und die
Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters


Auf Facebook hatte mich ein Freund auf eine neue Entwicklung bei den Piraten aufmerksam gemacht und gefragt, ob das nichts für uns wäre. Weil ich freundschaftlichen Ratschlägen gern folge, habe ich da mal dezent nachgehakt und ne Email an NineBerry, wie ich inzwischen weiß unter dem Klarnamen Christian Schwarz Vorsitzender des Bezirksverbands Karlsruhe der Piratenpartei, geschrieben. Als der nachfragte, ob er bei seiner geplanten öffentlichen Antwort meinen Post veröffentlichen dürfe, war ich erst mal erstaunt. Öffentliche Antwort? Warum? Ach, klar, gute Gelegenheit mal wieder ein paar Klicks auf die Seite zu bekommen. Weil auch ich die ganz gern hab, gabs natürlich das Einverständnis. Eine Weile später auch die Antwort. Mit Richtigstellungen, Ratschlägen, Hinweisen auf persönliche Mängel und ein paar gewaltigen Strohmännern, die beim Abfackeln einen maßgeblichen Beitrag zur Energiesicherung leisten können.
Kurz, genau so, wie man es sich von einem aufstrebenden Jungpolitiker vorstellt. Auch Piraten sind halt Menschen.

Hier nun, aus bereits erwähnten Gründen und weil auf öffentliche Posts eine öffentliche Antwort selbstverständlich ist, die meinige.

Liebe Bruder Neunbeere,

ja, Bruder, denn trotz unserer Weisheit haben wir Pastafari ein Herz für die Unverständigen.
Wir wissen, nicht jedem erschließt sich gleich die unfassbare Klarheit und Wahrheit die in unserem Glauben steckt, nicht jeder versteht sofort, wir haben die einzig wissenschaftliche Religion und mancher nicht einmal, wenn man ihn auf unsere Satzung aufmerksam macht. Ganz besonders verstehen wir dich, wenn wir nun wissen, auch in eurer Partei sind, ähnlich wie bei der SPD, bestimmte weltanschauliche Arbeitsgruppen einfach nicht da.

Sogar mit Vergnügen registrieren wir, dass du als Amonsterist dich, wenn es dir zu deinem Vorteil gereicht, auf Seine göttlichen 8 AmLiebstenWäreMirs beziehst. Die sind im übrigen so klar, dass sie keinerlei Auslegung bedürfen.

Ganz toll finden wir dich als Baumeister. Auch wenn die Bauwerke nur aus Stroh sind, solch ein Talent muss gewürdigt und extra darauf hingewiesen werden:

- Natürlich verletzen harmlose Späße nicht unsere religiösen Gefühle. Wir lachen über sie.
- Natürlich muss unser Glaube mit Kritik und Satire zurecht kommen. Wir fordern die regelrecht, denn nur so ist unser oberster Glaubenssatz „Keine Dogmen“ wirklich umzusetzen. Deshalb sind wir auch die einzige Religion, die nicht, wie von dir unterstellt, jemals zu anderem als zum Wort gegriffen hat.
- Natürlich wird es nie eine Bindung unserer Kirche an eine Partei geben.
- Natürlich ist aber eine punktuelle Zusammenarbeit möglich. Genau deshalb hatte ich geschrieben: „Zwar sind wir grundsätzlich parteipolitisch ungebunden, aber ein punktuelle Zusammenarbeit könnte ich mir gut vorstellen.“

Regelrecht begeistert sind wir, wenn du schreibst, ihr seid eine Partei, die sich ganz besonders für Glaubensfreiheit und eine strikte Trennung von Kirche und Staat einsetzt. Bisher waren uns solche Beschlüsse nur von Unterverbänden bekannt. Kannst du uns bitte den zukommen lassen, der das für die ganze Piratenpartei festlegt? Denn, du wirst verstehen, da Absprachen mit Parteivorständen wenig sinnvoll sind, halten wir auch solche Aussagen von Parteivorständen und letztlich diese selbst für wenig sinnvoll.

Wenn diese Aussage von dir tatsächlich stimmt, muss ich meine positive Haltung zur Piratenpartei wohl gründlich revidieren. Verlässliche Absprachen sind überall im Zusammenleben notwendig, wenn dieses funktionieren soll. Große Gruppen suchen aus rein praktischen Gründen dafür Vertreter. Wer seinen Vertretern nicht die Rechte zubilligt, Absprachen im Namen der ganzen Gruppe zu treffen und nach außen bindende Verträge zu schließen, sollte konsequenter Weise auch gar nicht erst solche Vertreter wählen.Vor allem aber ist der im gesellschaftlichen Handeln so eingeschränkt, dass unklar ist, ob er überhaupt jemals handeln könnte.

Da aber, siehe oben, dort wo keine Absprachen mit Parteivorständen sinnvoll sind es auch nicht sinnvoll ist, ihre Aussagen als Aussagen zu werten, die für die ganze Partei zutreffen, nehme ich die deinige mal als Privatmeinung eines Piraten unter vielen.

Ich wünsche dir immer genug Hände an Deck des Schiffes, auf dem du segelst und immer einen Kapitän, der diese Hände bei Bedarf schnellstens in die Wanten schickt statt sie mit dem Abstimmungsfinger nach oben in den Sturm  halten zu lassen.

Dein Bruder Spaghettus.

PS. Natürlich sind übrigens auch wir für ungestempelte Eier. Das sind nämlich die frischen direkt aus dem Hühnerstall, die wir am liebsten verwenden. ;)

Kommentare:

  1. Wie ich es von religiösen Gruppierungen nicht anders gewohnt bin, werden hier ganz schön die Fakten verdreht.

    Zuerst die wichtigste: Die Piraten lehnen Eierstempel nicht ab, im Gegenteil, wir fordern ganz klar im Interesse des Verbraucherschutzes eine Ausweitung der Eierstempelei!

    Ich bin nicht Vorsitzender des Bezirksverbands Karlsruhe sondern aktuell Generalsekretär des Landesverbandes Baden-Württemberg.

    Die Piratenpartei spricht sich klar für einen säkularen Staat mit einer strikten Trennung von Staat und Religion aus: http://www.piratenpartei.de/politik/staat-und-demokratie/trennung-von-staat-und-religion/

    Mir ist klar, dass Anhänger einer Religion ihre eigene Auslegung immer gerne als die einzig richtige sehen und die Aspekte der Geschichte und Gegenwart ihrer Religion, mit der sie nicht einverstanden sind, gerne ausblenden.

    Du magst den Pastafari-Glauben als kompatibel mit den Naturwissenschaften sehen. Nimmt man die heiligen Schriften des Propheten Bobby Henderson (msnis) aber wörtlich, so widersprechen sie ganz klar aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen aus Biologie, Kosmologie und Vulkanologie (Dabei geht es um die feuerspeienden Berge, nicht die spitzohrigen Außerirdischen).

    Es gibt neben der recht moderaten Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e.V. aber auch sogar heute und sogar in Deutschland fundamentalistische Spaghettimonster-Strömungen wie beispielsweise die farfallinische Gruppierung „Einladung zum Pastadies“, die eine traditionelle und besonders strenge Auslegung des Glaubens an das Fliegende Spaghettimonster propagiert.

    Besonders der tief in der FSM-Religion eingebettete frauenfeindliche Sexismus (Stripper-Fabrik, nur männliche Propheten, phallische Nudel-Symbolik …) ist auch heute unter vielen Pastafari noch weit verbreitet. Da gibt es jede Menge zu tun…

    Gerade bei solchen Sachen ist ein öffentlicher Diskurs von Nöten. Die Fakten müssen offen auf den Tisch und ohne sich dem Mainstream und der Political Correctness unterzuordnen, offen ausdiskutiert werden. Und das meine ich damit, wenn ich sage, dass „Absprachen und Unterredungen mit Piratenvorständen wenig sinnvoll“ sind. Die Politik wird in einer basisdemokratisch organisierten Partei im öffentlichen Diskurs ausgehandelt.

    Das Thema Pastafarismus wird von Politik und Medien gründlich gemieden, Pastakritiker werden bestenfalls ignoriert, meist aber diffamiert, Pastakritik wird pathologisiert und kriminalisiert. Eine argumentative Auseinandersetzung über den Glauben an das fliegende Spaghettimonster muss endlich stattfinden. In der Politik. In den Medien.

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  2. Danke für diesen Kommentar, der deutlich vor Augen führt, wohin es kommen würde wenn antimonsterische Bewegungen politischen Einfluss erlangen würden.

    Selbst bei den wichtigsten, für den Fortbestand der Menschheit unbedingt zu lösenden Grundfragen wird schamlos gelogen. Obwohl die Forderung einer bundesweiten Eierstempelpflicht bei den Piraten nicht einmal das nötige Quorum geschafft hat(http://tinyurl.com/6v2hy2f ) wird hier dreist das Gegenteil behauptet. Soweit kommt es, wenn kein Monster mehr als Kontrollinstanz zur Verfügung steht.

    Im gleichen Stil wird weitergelogen, wenn ein völlig unbekannte, unbedeutende, ja wohl nicht einmal existente radikale Splittergruppe herangezogen wird, um die einzigartige Güte unserer Religion falsch darzustellen.

    Es geht immer noch so weiter, wenn selbst die Stripperfabrik, die immer nur die Stripper produziert, die der jeweilige Partner haben möchte und auch nur dieser sie sehen kann, also absolut gleichberechtigt für alle Geschlechter und dazu noch datenschutzgerecht, als angeblicher Nachweis eines frauenfeindlichen Sexismus behauptet wird. Ist es Unverständnis und Unwissen über unsere Religion oder böser Wille? Ich fürchte Letzteres. Die Tatsache, dass Monster Selbst sich als geschlechtsloses ES offenbart hat, sollte eigentlich auch dem verstocktesten Ungläubigen klar machen, nirgendwo steht die Gleichberechtigung der Geschlechter höher im Kurs als bei uns.

    Geradezu grotesk mutet der Versuch an die Worte unseres Propheten, die er uns im Evangelium übermittelt hat, wörtlich nehmen zu wollen. Kein Pastafari tut das, denn der hat beim Evangelium auch das Vorwort gelesen.
    Dort, bedauernswerter Ungläubiger, sagt Bobby uns: ...Aufmerksame Leser werden im Text zahlreiche Lücken und Widersprüche finden,vielleicht sogar dreiste Lügen und Übertreibungen...
    Da er uns in seiner Weisheit nicht gesagt hat, wo diese Lügen und Übertreibungen zu finden sind, lehrt er uns an allem zu zweifeln, alles zu hinterfragen, selbst, Monster möge es verhüten, die Existenz unseres Gottes. Das, liebe Neunbeere, ist aber genau das Prinzip, was Wissenschaft auszeichnet. Auch wir kennen keine Dogmen.

    Ja, ein offener Diskurs ist von Nöten und Fakten müssen ohne Rücksicht auf Mainstream und Political Correctnes offen auf den Tisch. Es wäre schön, wenn sich deine Aussagen zu wenig sinnvollen Absprachen mit Parteivorständen tatsächlich darauf bezogen haben. Mir ist allerdings nicht klar, warum du dich bei einem Angebot punktueller Zusammenarbeit darauf bezogen haben solltest. Hier ging es um konkretes Handeln, nicht um Politik, die in öffentlichem Diskurs zu entscheiden wäre.

    Weiß Monster, wohin es Ixquick geführt hat, als ich nach deinem Namen in Verbindung mit Piratenpartei gesucht habe. Das Ergebnis war nicht der viel mächtigere Titel eines Landesgeneralsekretärs, sondern der bescheidenere des Vorsitzenden eines Bezirksverbandes. Beide sind mir egal und waren mir, als ich meine Mail an dich schrieb, völlig unbekannt. Da warst du nur ein einfacher, bloggender, monsteraffiner Pirat für mich. Eigentlich schade, das es mit der Affinität nichts war und dass ich dich jetzt als Titelträger und damit tatsächlich als im Namen der Piratenpartei Sprechenden wahrnehmen muss.

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