29.03.2012

Das Wort zum Freitag


Brauchen Atheisten Religion?

Selbstverständlich, werdet ihr, meine lieben Brüder und Schwestern sagen, selbstverständlich. Und ihr habt Recht. Das Fliegende Spaghettimonster ist nicht mehr wegzudenken aus der atheistisch-humanistischen Bewegung.

Das meint aber Alain de Botton gar nicht, wenn er seine Religion für Atheisten entwickelt. Nein, er meint, die müssten von den Kirchen lernen, Riten übernehmen und sogar eigene Tempel errichten. Den ersten möchte er in London immerhin 46m hoch bauen.  Manche sagen, alles nur Werbung für sein eben erschienenes Buch. Er sagt,"Wegen Menschen wie Richard Dawkins und Christopher Hitchens ist der Atheismus bekannt geworden als destruktive Kraft. Aber es gibt viele Menschen, die nicht gläubig sind, aber nicht aggressiv gegen Religion sind" . Nun möchte er mit einem positiven Atheismus dem entgegen steuern.
Beides ist gut möglich. Ebenso aber auch, Alain de Botton hat als erfolgreicher Geschäftsmann einfach erkannt, auch mit „atheistischer Religion“ ließe sich gut Geld verdienen.  Da böte sich dann auch gleich eine Begründung, warum er auf Atheismus und nicht auf Humanismus, Brights, Freidenker oder andere abstellt. Mit Atheismus wird das Geschäftskonzept einfach umfassender und er erwischt alle, wenn er behauptet: „Im Gegensatz zu Religion neigt der Atheismus dazu, sich gegenüber unserer Bedürftigkeit kalt und ungeduldig zu verhalten“  um damit sein atheistisch religiöses Geschäftsmodell zu begründen.
Völlig falsch, denn Atheismus ist nun mal keine Weltanschauung, er lehnt lediglich die Existenz von Göttern ab. Mehr ist da nicht, mehr lässt sich da nicht hinein- und erst Recht nicht anschließend als Manko herausdeuten. Atheistmus ist einfach neutral und leer und lässt sich auch mit noch so vielen Tempeln nicht mit Inhalt füllen.

In den Tempeln sollen „atheistische Heilige“ als Statuen stehen, Künstler oder Wissenschaftler, und „Predigten“ sollen die atheistische Seele erquicken. Dabei übernimmt AdB ohne Scheu Worte, die einen Zusammenhang herstellen, der nicht im mindesten an Atheismus erinnert. Vielleicht hält er Wortwahl einfach nicht für wichtig. Das tut auch Harald Stücker zu dem Thema auf wissenrockt wenn er schreibt: „Wer diesem Vortrag von Lawrence Krauss gern gelauscht hat, obwohl er den Inhalt schon kannte, sich jetzt aber daran stört, dass er „Predigt“ genannt wird, der streitet wohl wieder um Worte. Wenn diese „Predigt“ erbaulich ist, dann nicht im herkömmlichen Sinn von „erbaulich“. Seine Botschaft wird man in Kirchen eher selten hören“

Dabei lohnt es sich unbedingt, um Worte zu streiten. Worte stellen Zusammenhänge her. Worte können erheitern, beleidigen, aufstacheln und abwiegeln. Worte können als Diskriminierung oder als Lob verstanden werden. Worte sind Macht.
Wer ohne Not Worte  übernimmt, die weltweit einen bestimmten Zusammenhang setzen, übernimmt diesen Zusammenhang und gibt damit Macht ab. Kein Wunder, wenn deshalb ein christliches Portal bereits frohlockt  „Der plakative Spruch: «Kein Glaube, ist auch ein Glaube» erhält neue Nahrung.“ und dafür  Alain de Botton anführt. Bezeichnender Weise unter der Überschrift „Auf der unbewussten Suche nach Gott?“  

Nein, liebe Gemeinde, für uns  ist das nichts. Nicht diese Religion und nicht dieses Wortwirrwar.
Wer zwischen Staat und Religion eine klare Trennung erreichen will, braucht zuerst eine klare Trennung im Kopf.
Diesen Satz, liebe Schwestern und Brüder, solltet ihr euch ruhig merken und ihn überall anwenden, wo euch atheistische Religion empfohlen wird.

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