08.07.2011

Das Wort zum Freitag


Der Papst kommt.....


….und geht auch wieder. Sogar aus dem Bundestag, in dem er als erster geistlicher (oops, fast hätte ich geistiger geschrieben) Führer reden darf. Warum also viel Aufhebens davon machen? Warum sogar ne Gegendemo?

Aber halt, spricht der Papst überhaupt als geistlicher Führer und ist das überhaupt eine Gegendemo, die am 22. September in Berlin stattfinden wird?

Die Katholen haben es ja besonders mit der Dreifaltigkeit ihres Gottes. Das setzt sich beim Papst fort. In dem manifestieren sich der geistliche Führer, das Staatsoberhaupt des Vatikanstaates und der HeiligeStuhl. Komischer Name, der wohl daher kommt, dass die meisten Päpste zu Lebzeiten nicht mehr so lange stehen können und nach Lebzeiten heilig gesprochen werden.Sonst ist er ein ähnlich undurchschaubares Konstrukt wie der Heilige Geist. Wobei der Stuhl, der heilige jedenfalls, internationales völkerrechtliches Subjekt ist, dem Geist also einiges voraus hat. Der Heilige Stuhl hat, im Gegensatz zum Vatikanstaat, so ziemlich überall Botschaften. Wird nicht über die der meiste interstaatliche Verkehr abgewickelt? Redet der Papst also als Heiliger Stuhl im Bundestag? Wenn ja, warum?

„Der Bundestag kann sich einen erzählen lassen, von wem er will.
Der Papst ist nicht irgendein Typ, sondern … der Chef des ältesten Ladens auf diesem Planeten und nicht der Gottseibeiuns oder das Oberhaupt des Reich des Bösen.
Dem kann man ruhig mal ein wenig zuhören - davon wird man nicht blöd.“
sagt mir ein Atheist in einer Diskussion. Ich antworte:

„Der Bundestag hat eine Geschäftsordnung und eine Tradition, die klar sagt, wer dort wann sprechen kann. Der Staat hat sich weltanschaulich neutral zu verhalten, also hat weder der Heilige Stuhl noch das Oberhaupt der Katholen da was zu suchen. Bleibt nur noch das Staatsoberhaupt. Da ist nun überaus zweifelhaft, warum man ausgerechnet dem Chef des einzigen europäischen Staates, der die Menschenrechte weder anerkennt noch praktiziert, die Ehre eines Auftritts im Bundestag zukommen lässt.“

Bis jetzt habe ich noch keinen Grund gefunden, der die Rede des Papstes vor dem Bundestag rechtfertigt. Auch einen Sinn, etwas, was für unser Land erreicht werden könnte, finde ich nicht. So ist das für mich nur eine einzige, riesige Werbeaktion für einen Glauben, den mehr als 2/3 der Deutschen nicht teilen. Tendenz steigend. Somit, eben wegen der weltanschaulichen Neutralität des Staates, völlig ungerechtfertigt.

Wenn es deshalb Widerstand gegen diese steuerfinanzierte Werbung gibt, finde ich das nur verständlich. Das sehen nicht nur viele Säkulare so, auch die Vertreter anderer Glaubensrichtungen stehen dem zumindest zurückhaltend gegenüber. Im Gegenzug gibt es auch Atheisten, die nichts einzuwenden haben und sogar völliges Unverständnis darüber äußern, dass die Papstrede umstritten ist:
„Muss man aber ... so tun, als ob die Kirche von heute die von vor 500 Jahren wäre? Muss man sich wie ein Löwe gebärden, der gegen die weltanschauliche Oberautorität kämpft, obwohl man doch eher ein Kätzchen ist, das ein wenig mit einer seit langem im Abstieg befindlichen Einrichtung mit an vielen Stellen kaum noch spürbarem Einfluss spielt?“

Sollten wir also einfach vorbeiziehen lassen, was eh vorbei zieht und den Bundestag machen lassen, wozu er lustig ist? Der Bundestag soll das Volk vertreten, nicht sich selbst. Deshalb ist es, nicht nur bei diesem Thema, richtig und sogar notwendig, ihm durch Äußerungen bis hin zu Demonstrationen klar zu machen, was Teile des Volkes von seinen Aktionen halten.

Deshalb beteiligen auch wir, die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland, uns an der Demo „Der Papst kommt“. Eine Demo von bereits mehr als dreißig Organisationen, selbst christlichen, unter Federführung des LSVD und CSD.
Es ist gut, dass die das übernommen haben. Da ist die notwendige Erfahrung, das ist auch ein professioneller Koordinator und wer weiß ob sonst jemand überhaupt noch so eine Demo auf die Beine gestellt hätte.
Es hat aber auch den Nachteil, dass es eben keine Gegendemo zum Auftritt des Papstes im Bundestag ist, sondern eine gegen die menschenfeindliche Geschlechter- und Sexualpolitik des Papstes. Die ist wirklich menschenfeindlich, aber eben nicht nur die. Es gäbe noch viel mehr zu kritisieren. Was die eine oder andere Organisation wohl auch während der Demonstration tun wird. Auch auf den Bühnen wird über mehr geredet werden.

Nur eins, was wir so gern gemacht hätten, wird es nicht geben: Eine Nudelmesse. Zu religionskritisch befand die Arbeitsgruppe zum Bühnenprogramm. Schade, nach dem überwältigenden Erfolg auf dem Kirchentag in Dresden hätten wir auch Berlin gern die einzig wissenschaftliche Religion näher gebracht.

Als echte Gläubige und dazu noch die einzig wahren wissen wir, ES will uns nur prüfen, will uns durch Widerstand fit machen und stärken. So haben wir uns im kleinen Kino der Z-Bar eingemietet und werden unsere Nudelmesse zum Papstbesuch dort abhalten. Natürlich mit allem Drum und Dran: Glaubensbekenntnis, Lobpreisung der Reliquien, Monsterunser, Abendmahl und auch wieder mit den immer sehr beliebten Fleischbällchen, die, ebenso wie der Eintritt, kostenlos sind. Klar, ne Predigt darf auch nicht fehlen und in der wird es um die Sexualpoliltik der Kirche gehen. Auch um die.

Wer mit uns Messe halten will und langfristig plant, ist schon jetzt ganz herzlich eingeladen am 27. August ab 20:00 Uhr in der Z-Bar in der Bergstr. 2 in Berlin Mitte dabei zu sein. Für die Kurzplaner bringen wir uns später noch mal in Erinnerung.




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